Goldener Oktobertag für die Beckebande in Zschortau
Timmi und Luki Comeback bei Ruby, Pawel und Persch’s Premieren
Aufgrund des Rückzugs der Eilenburger Reserve hatten die Wermsdorfer am vergangenen Wochenende spielfrei und standen beim Auswärtsspiel in Zschortau vor der Aufgabe, den zuvor erarbeiteten Rhythmus wieder aufzunehmen. Kein leichtes Unterfangen, gestaltete sich doch die Fahrt zur SG in der jüngeren Vergangenheit als wenig berauschend. Entsprechend sensibilisierte Trainer Denny Beckedahl seine Schützlinge im Vorfeld noch einmal und zeigte sich erfreut, dass sich die Personaldecke weiter entspannte und der Kader gut gefüllt daherkam. So konnte der Coach dieselben elf Collmkicker aufs Geläuf bringen wie beim Erfolg in Krostitz und hatte darüber hinaus noch einige Optionen auf der Bank. Beinahe hätten sich zu diesen noch ein paar Gurken gesellt, sprießen die doch bei stehender Luft und drückender Wärme wie in der Gästekabine vor Anpfiff bekanntlich am besten. Damit wurde es dann aber doch nichts und das büchnersche Obst musste für die obligatorischen Vitamine sorgen, um Wind, tiefem Rasen und Gegner trotzen zu können. Hinein ins Geschehen.
Nach einer circa zehnminütigen Findungsphase gelingt den Blau-Weißen dann alsbald recht vielversprechend der Einstieg. Die Defensivreihe um Pascal Weidner bekommt die Räume geordnet und bildet eine feste Verankerung an diesem stürmischen Sonntag, sodass sich die Offensive voll entfalten kann. Das machen die dafür Verantwortlichen FSV’ler auch äußerst passabel, vergessen nur, dass bei aller Überlegenheit auch ein Tor herausspringen sollte. Nach gutem Pressing, schnellem Umschaltspiel oder individuellen Einzelleistungen entstehen eine ganze Reihe an Möglichkeiten, doch der Abschluss passt bei noch keinem blau-weißen Angreifer. So dauert es bis zur Grenze einer halben Stunde, ehe Jan Riesenberg seine Farben belohnt. Die zweite Welle eines Gästeangriffs landet auf der linken Bahn von MahlserMaradona und der hat eine Idee. Louis Hoffmann zieht auf, kappt selbstredend ab und verlädt seinen Gegenspieler damit komplett. Während dieser immer noch auf der Farbspurschliddert, gibt Maler scharf ins Zentrum, wo Riese zur Stelle ist und den Slushi erfolgreich anrührt. Jan trifft damit zum vierten Mal in Folge zur Wermsdorfer Führung. Der verdiente Lohn für Überzeugung und Spielwitz, den die Beckebande bis zur Pause sichtlich bemüht ist auszubauen. Aber das große Manko bleibt die Chancenverwertung, wenngleich es in der 40. Spielminute wunderschön wird. Erst versemmelt Ruven Frase eine Großchance leichtfertig, nur um die anschließende Ecke von Louis Hoffmann traumhaft zu verwerten. Die Kopfballabwehr eben jener landet vor Rubys Füßen und der nimmt das Kunstleder vom Sechzehnereck direkt, mit seinem schwachen Fuß wohlgemerkt, und bastelt die Knopse aber mal so was von unhaltbar ins kleine Netz, dass einem schon beim bloßen Erinnern wieder die Zunge schnalzen will. Mit diesem fulminanten Pfund geht’s in die Pause, wo man sich noch einmal einschwört und für Durchgang zwei pusht.
2:0 ist bekanntlich das gefährlichste Ergebnis und tatsächlich kommen die in der ersten Hälfte quasi nicht stattgefunden habenden Platzbesitzer mit Druck aus der Kabine. Wieder brauchen die Hubertusburger kurz, um ihren Motor zum Laufen zu bekommen, dann verweisen sie die Heimelf aber recht schnell wieder auf den Beifahrersitz und spielen sich in einen Rausch. Zur Stundenmarke, mittlerweile ist mit Peer der zweite Riese auf der Wiese, schlägt es wieder im SG-Kasten ein. Persch gewinnt den Pressschlag und stochert im Verbund mit dem Maler noch etwas in der Box herum, ehe Dustin Auerbach das Streitobjekt humorlos flach ins Eck setzt. Ebenfalls mit von der Partie und erstmals in dieser Saison mit in der Jubeltraube ist Tim Kuhl, der nach mehrmonatiger Verletzungspause sein Comeback feiert und mit einem Traumpass direkt das nächste Tor auf den Weg bringt. Die erste Welle von Persch wird noch entschärft, doch der findet immerhin noch Spannemann Ben Massner, der mitgeeilt ist in Aussicht auf das Ausbessern der eigenen Torbilanz. Doch Masse stehen sein rechter Fuß und der gegnerische Schlussmann im Weg. Gut, dass die Wermsdorfer einen Aui in ihren Reihen haben, der seit Wochen in bestechender Form unterwegs ist und sich mit dem zweiten Treffer sowie seine Farben mit dem 4:0 belohnt, als er den Rebound über die Linie drückt (67.).
Kurz darauf folgt das nächste Comeback. Opsch und Trüffelschweinchen Weidi packen die Tasche zusammen und machen Platz für Lukas Schulz, der sich vom Streetballzocken und Abhängen an der Busse zurückmeldet und nach ebenfalls mehrwöchiger Ausfallzeit freudestrahlend (und wie gewohnt dabei trotzdem latent grummelnd) endlich wieder da ist. In der Schlussphase wird der schon vollauf gelungene Sonntag der Hubertusburger endgültig glorreich. Kapitän Justus Keller chippt in den Lauf von Slushi Riesenberg, der seinen Bewacher kurz mal verpflanzt, wie andernorts zur selben Zeit nur die Herbstbotanik, und scheinbar mühelos nach einem Sprint über die halbe Wiese auf 0:5 stellt (74.).
Beim blau-weißen Schaulaufen läuft nun auch der Autohändler des Vertrauens heiß. Franz „Pawel“ Pawletta wird in der Box von Persch bedient, stibitzt die letzte Krokette des Banketts vom Teller (man gebe bei YouTube mal „La Croqueta“ ein) und trifft wuchtig ins Eck zum sechsten des Tages und seinem von den Mitspielern umjubelten Premierentreffer (85.). Peer macht schließlich mit dem Schlusspfiff aus dem Bankett einen Debütantenball, findet doch noch ein Krokettchen zum Wegschnabulieren und bindet auf Vorlage von wem auch sonst als seinem Nachnamensvetter Jan mithilfe des Innenpfostens das 0:7 ein. Auch hier die persönlich erste Liganuss im Vorrat, die Perschs Scorerkonto in 30 Minuten Spielzeit auf drei ansteigen lässt und eine Ansage darstellt.
Über diese eigene Ebene hinaus gelingt der Beckebande als Mannschaft ein Statement. Trotz schwacher Chancenverwertung fährt man mit 7:0 zurück an die Hubertusburg und schiebt sich in der Tabelle weiter vor. Das ist an diesem Tag mehr als verdient, allerdings nur eine Momentaufnahme. Kein Grund, im Ruhm zu versinken, wie ein weiser Mann noch während des Spiels mehrmals zu betonen wusste. Es gilt also, den Schwung mit in die Trainingswoche zu nehmen und weiter hart zusammenzuarbeiten, um noch härter gemeinsam von Erfolg zu Erfolg zu fliegen. Dann schauen wir mal, was wird und wohin es die blau-weißen Gänse noch so zieht. Nächste Woche geht’s auf jeden Fall erst einmal zum Autohaus nach Glesien, wo man sich offenbar schon auf ein Bankett von Eskildsen freut.
(jk)
