Leistungssteigerung im zweiten Durchgang – Wermsdorf mit Heimsieg gegen drittplatziertes Schenkenberg

FSV Blau-Weiß Wermsdorf – SV Concordia Schenkenberg 3:0 (1:0)

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Was braucht ein waschechtes Drama? Richtig – einen zweiten Akt. Also trafen Wermsdorf und Schenkenberg sieben Tage nach dem „Blockbuster-Pokalhalbfinale“ wieder aufeinander und bestritten das Topspiel des Nordsachsenliga-Spieltags. Zu Gast waren diesmal die Concorden, die bei feinstem Wetter an der Sachsendorfer Straße und vor einem mit über 100 Zuschauern gut gefüllten Rund auf eine nahezu identische „Beckebande“ trafen.

Nur eine Änderung gab es auf Seiten des Pokalfinalisten: Oscar Kupfer lief im Sturmzentrum für Matti Lehmann auf.

Im ersten Durchgang spielte erst mal nur eine Mannschaft Fußball. Die Concordia drückte den Hubertusburgern komplett ihren Stiefel auf, und die Blau-Weißen zeigten kaum Gegenwehr. Vorne lethargisch bis teilnahmslos und hinten dank eines überragenden Lukas Schulz immer noch gerade rechtzeitig zur Stelle, erwachten die FSV’ler erst ganz allmählich von der langen Wermsdorfer Nacht. Dass bei der verletzungsbedingten Auswechslung von Nico Jarchow nach einer guten halben Stunde kein Rückstand zu verzeichnen war, hatte eine nicht zu bestreitende Korrelation zum Glück aufzuweisen – ein Umstand, der auf der Bank für reichlich Sorgenfalten und Unverständnis sorgte.

Der eingewechselte Jann Lingel brachte hinten Körperlichkeit rein, und die Umstellung von „Luki“ auf die Sechserposition gab dem Zentrum einen Booster wie eine FSME-Auffrischungsimpfung.

So kamen die Hubertusburger langsam auf der eigenen Wiese an und schossen sogar mal aufs Tor. Wie man dann aber nach 45 plus einer Minute führen konnte, ist wohl auf das Konstrukt „Vorne hilft der liebe Gott“ zurückzuführen: Der gegnerische Innenverteidiger rutschte beim Spielaufbau auf dem Kunstleder beziehungsweise dem „Hoffmann’schen Farbeimer“ aus, und „Maler“ Louis sagte Danke, fing den Ball ab und schob ihn ins verwaiste Tor ein.

Zum Jubel ging es den Malerweg entlang in die Kabine, und dort bügelte Trainer Denny Beckedahl seinen Schützlingen die Krawatte glatt. Nicht überzogen, aber zurecht mit einem deutlichen Appell im Gepäck, gingen die Collmkicker zurück aufs Grün mit den so geradlinigen Büchner-Linien und fanden in der zweiten Halbzeit endlich zu sich selbst. Die Raumaufteilung griff jetzt größtenteils, und die Einstellung stimmte. So übernahmen die Platzbesitzer das Heft des Handelns und drückten darauf, sich die Führung auch wirklich zu verdienen.

Allerdings versiebte man vorne jetzt selbst aussichtsreiche Chancen und brauchte hinten weiter ab und an das Quäntchen Glück, damit es den Gästen nicht gelang, ihre Möglichkeiten auszuspielen. Nach einer Stunde kam mit Robby Staude im blau-weißen Sturm Erfahrung und Kampfgeist aufs Feld, was dem FSV-Spiel sichtlich guttat.

Es wurde noch einmal drückender, und die Entscheidung zugunsten der Beckebande lag in der Luft. Ostern ist zwar eigentlich schon durch, steckt aber offenbar noch so manchem im Kopf. So wurde bei Standards im Schenkenberger Strafraum gewahr, dass einige scheinbar noch auf der bisher erfolglosen Suche nach Eiern unterwegs waren. Was sich sonst nur am Ostersonntag unterm Heidelbeerstrauch im Keller’schen Garten von Opa Gerald ausgeht, fand sich an diesem Tag tatsächlich auch in der Hose von Mannschaftskapitän Justus wieder, wo ein Verteidiger sein Glück aufspürte – und weil es so erquicklich war, gleich noch Grüße anderswo mit hineinsteckte. Wir meinten zwar „Es lebe die Vielfalt“, aber aus aktuellem Anlass muss wohl an dieser Stelle noch ergänzt werden, dass die ganze Schose schon auf Konsens basieren sollte. In diesem Sinne: kleiner Einschub und herzliche Gratulation an Ikone Thomas Hitzlsperger nachträglich zum 43. Geburtstag! Zurück auf die Wiese, wo die Eierschalen jetzt brachen: Erst wurde „Volleyballer“ Mila Lingel am Mittelblock ordentlich weggeschmettert, ehe Torhüter Robyn Staude einen Kung-Fu-Tritt ans Knie kassierte.

Außerdem scheint Zehentreten ein beliebter Freizeitvertreib in Spielunterbrechungen zu sein, und natürlich darf auch ein gesellschaftstheoretischer Querverweis auf die Rolle von Geschlechtsvorurteilen im Ballsport nicht fehlen, ehe das „Soft Cake“ von der Pferdekoppel die Veranstaltung abmoderierte. Nach 82 Zeigerumdrehungen bat der Rebound eines Schusses von Tim Kuhl schließlich Dustin Auerbach aufs Parkett.

„Aui“ tütete die Direktabnahme in die kleine Tasche ein und bescherte damit so manchem ein Déjà-vu – Hoffmann- und Auerbach-Tore gegen Schenkenberg.

Da war doch was? Fehlt eigentlich nur noch einer, doch der wollte beziehungsweise durfte heute nicht. Mit ablaufender Spieluhr versuchte es „Kuhli“ noch einmal, doch nach einem Dribbling über die linke Seite der Box scheiterte die Nummer 15 erneut. Er verbuchte damit gleichwohl den zweiten Initialmoment, denn am zweiten Pfosten war Johannes „Törtchen“ Keller entgegen der Ansagen von der Bank mitgestiefelt. Statt „zurück ins Körbchen“ zu hüpfen, drückte „Torte“ die Kirsche über die Sahne, und aus den Boxen an der Sachsendorfer Straße gab es die Torhymne als Fondant direkt hinterher.

Hannis Dank geht noch raus an die liebe Tante, deren Geburtstagskulinarik diesen letzten Kraftakt samt Tigerentensprung erst ermöglichte – und dann war der Heimsieg in trockenen Tüchern.

Lange nicht gut, aber immer überzeugt und als Team bestehend: Die Hubertusburger setzen sich zum zweiten Mal binnen sieben Tagen gegen starke Schenkenberger durch und schieben sich damit erst mal wieder vorbei an den Concorden auf einen sehr respektablen dritten Platz in der Nordsachsenliga. Nach dieser ersten Hälfte sollte aber allen klar sein, dass die Beziehung zu Fortuna nun nicht überstrapaziert werden sollte. Für die kommenden Wochen benötigt es Einsatz und Leidenschaft über die volle Distanz, um den blau-weißen Weg weiterzugehen. In diesem Sinne: Schauen wir mal, was wird!

Bilder RW