Mit Wille & den alten Hasen – Wermsdorf macht zuhause aus 0:2 ein 3:2 – Bericht zu den letzten drei Spielen

FSV Blau-Weiß Wermsdorf – SG Zschortau 3:2 (0:2)

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Das Pflichtspieljahr 2026 ist an der Sachsendorfer Straße nun schon wieder drei Spiele alt. Dreimal 90 Minuten plus ein bisschen nicht ganz unerhebliche Zugabe, in denen allen, die es mit den Hubertusburgern halten, schon wieder so einiges abverlangt wurde. Der Aufgalopp in die Rückrunde am Fuße der Hubertusburg war sicherlich vieles, aber keinesfalls gewöhnlich. Doch der Reihe nach. Zeit für eine kleine Einordnung.

Der Restart sollte in der Dahlener Heide steigen. Nördlich von Luppa, also quasi bei Luppa-Nord, stand direkt mal das Derby mit den Wackeren auf dem Programm. Bei den Blau-Weißen gab es im Vorfeld einige Unklarheiten, hatte doch die winterliche Testperiode eher mehr Fragezeichen produziert als Antworten geliefert. Drei dicke Ausrufezeichen konnten die FSV’ler im Vorfeld des Wiederbeginns dann aber doch noch verbuchen, und die galt es hinter verschiedene Personalakten zu setzen. Mit Nico Jarchow erhielt das bereits seit Längerem im Training vollintegrierte „Möbelhaus“ mit Riesaer Wurzeln endlich grünes Licht für einen Pflichtspieleinsatz. Dass sich „Schnarchi“ gemacht hat wie Radeberger, seit das Lametta ab ist, durfte Jysk (ehemals Dänisches Bettenlager) dann auch gleich als Einrichtungsgegenstand in der Derby-Startelf unter Beweis stellen.

André „Zetti“ Zimmer verstärkte die Collmkicker im Winter ebenfalls und zauberte sich vom Hallenparkett in die Notizbücher der Trainer. Reichlich Erfahrung aus der Bierbrauerregion rund um den Fuchsbau, gepaart mit einer Vitalität, die jeden Biohacker neidisch machen würde, bilden bei „Dr. Dre“ eine Mischung, die schon im Training für das eine oder andere Schmankerl sorgte und Lust auf mehr unter Wettkampfbedingungen macht. Personalakte drei musste nicht neu angelegt, sondern nur etwas vom Staub befreit werden: Mit Ruven „Ruby“ Frase meldet sich Wermsdorfs Sturmjuwel nach längerer Abstinenz zurück, arbeitete im Training konstant an seiner Fitness und schaffte so den Sprung in den ersten Spieltagskader 2026. Ansonsten ist in Blau-Weiß alles mehr oder weniger beim Alten: Der Hartplatz bereitet allen großen Spaß, Sonntagsspiele sind sehr beliebt und wir haben noch nie unsere Obstbox irgendwo vergessen.

Damit hinein ins Geschehen im Heidestadion – auch wenn man das aus FSV-Sicht erstmal lieber vergessen wollte. Die Beckebande dümpelt sich zurück in den Pflichtspielmodus und liegt nach einer vollkommen verpennten Anfangsphase verdientermaßen mit 0:1 hinten. Dass daraus kein höherer Rückstand wird, liegt ein wenig am Glück, dass der Dahlner Querbalken tief genug hängt, und daran, dass die Gastgeber die Wermsdorfer Passivität nicht weiter zu nutzen wissen. So reicht es, dass Johannes Keller nach einer kollektiv verkorksten ersten halben Stunde einfach mal aus gut 20 Metern draufhält und mit einem flatternden Ball den Ausgleich besorgt, der seine Farben endlich ins Spielgeschehen hievt.

Bis zur Pause wird der Auftritt der Gäste souveräner. Vom Wiederbeginn an gibt es dann quasi nur noch Blau-Weiß. Nach Spielaufbau übers Zentrum bricht Florian Grieser auf seiner rechten Bahn durch und findet mit seiner Hereingabe den mitgeeilten „Windhund“ aus der Innenverteidigung: Lucas Schulz bleibt im Duell mit Dahlens Schlussmann Sieger, weil er das „Cabrio“ so parkt, dass das Kunstleder keinen anderen Ausweg finden kann als das gegnerische Gehäuse.

Einen ikonischen Jubel gibt’s gleich noch hinterher, und so biegen die Hubertusburger ab auf die Siegerstraße. Der eingewechselte Tom Zielinski macht alles klar, als er mit einem Schlenzer aus 20 Metern in die „kleine Tasche“ einnetzt und seine bockstarke Leistung damit krönt. Die erste Dreierbatterie ist schwupps in der blau-weißen Tasche, wenngleich der Derbysieg aufgrund einer gänzlich miserablen Anfangsphase nicht die erhoffte Strahlkraft entfacht und durch die Verletzungen von Oscar Kupfer und Tim Kuhl gleichwohl teuer erkauft daherkommt.

So dürfen Trainer Denny Beckedahl und seine Co’s Pascal Fiedler und Marius Lüderßen direkt mal fleißig umbauen, und beim allzeit ekligen Auswärtsspiel in Löbnitz ist Zetti gleich mal von Anfang an gefragt. Der Wermsdorfer Auftritt geht, anders als noch in der Vorwoche, vom Beginn weg flüssig vonstatten. Dustin Auerbach, in Dahlen noch schmerzlich vermisst, bastelt einen Volley nach wenigen Zeigerumdrehungen direkt mal an den Pfosten. Besser macht es Matti Lehmann kurz darauf, der aus der Drehung einen sehenswerten Schuss mit Unterschnitt abgibt und den Ball aus 25 Metern mit Wucht und kaum Rotation unters Dach schraubt.

Matti in Aktion (2025)

Mit der Führung im Rücken spielen es die Collmkicker weiter nach vorne, doch der Druck und die Überzeugung gehen verloren. Man verpasst es, die Führung auszubauen und die Räume in des Gegners Reihen zu bespielen, und so schaut sich der FSV zur Stundengrenze bedröppelt an, als es infolge einer Ecke plötzlich 1:1 steht. Wenig dienlich kommt erschwerend hinzu, dass man sich zusehends vom Unparteiischen missverstanden fühlt, der die Weisung ausgibt, Beleidigungen und ausufernde Wortmeldungen seien bitte untereinander zu klären. So darf bei einem Konter schon mal ein „Umdreschen“ gefordert oder lauthals krakeelt werden, welche geistige Einschränkung beim Gegenüber wohl vorliege. Besser macht es auch nicht, dass Nachtreten scheinbar seit der letzten Regelanpassung nicht mehr unter Strafe gestellt wird. Als Pascal Weidner dann eine der denkwürdigsten Gelb-Roten Karten der Historie des Kreisfußballs kassiert – für zwei „grobe Fouls“ in ein und derselben Spielszene, also bei zwei aufeinanderfolgenden Angriffsversuchen der Platzbesitzer ohne Spielunterbrechung dazwischen – und den Ampelkarton in einem Abwasch gezeigt bekommt (ohne Not und die Notwendigkeit eines Zeichens von Spielleitungsseite her an dieser Stelle), droht die Stimmung zu kippen. Das fachkundige Publikum am Seitenrand tut sein Übriges, doch das lässt die Beckebande nicht auf sich sitzen.

Pascal im Spiel gegen Dahlen

Trotz Unterzahl wollen die Gäste, wahrscheinlich jetzt erst recht, alles. Mann gegen Mann hinten – und vorne hilft der liebe Gott oder eine Ecke. Nachdem diese zuvor von Tim Höhnel noch direkt an die Latte zum dritten Wermsdorfer Aluminiumtreffer der Partie gesetzt wurde, ist es nun Florian Grieser, der den Standard tritt. Löbnitz klärt zur Seite, Griesi nimmt den Rebound wieder auf und sieht die „Miez“ am zweiten Pfosten im Strafraum lauern. Die Hereingabe kommt, findet aber nicht ihren Weg zur linken Samtpfote von der Burgmauer. Auch nicht, als Justus Keller das Kunstleder annimmt und eigentlich jetzt die Zeit reif wäre, den verwaisten „Mischer“ zu bedienen. Der FSV-Kapitän packt stattdessen von der Strafraumkante den Drehschuss aus und bringt den Ball mit eigenwilliger Schusstechnik einfach nur hoch und zentral Richtung gegnerisches Tor. Das reicht Fortuna sei Dank in diesem Moment, und so geht Wermsdorf in der Nachspielzeit wieder in Führung. In den noch verbleibenden Minuten werfen sich die zehn verbliebenen Hubertusburger in alles, was irgendwie in Richtung ihres Tores kommt, und als Jann Lingel den letzten Freistoßpfiff zieht, ist es vollbracht und der nächste Auswärtssieg errungen. Fußballerisch verbessert, moralisch vollends überzeugend und mit der obligatorischen blau-weißen Abschlussschwäche und zwischenzeitlichen Leistungsdelle behaftet, geht’s über Penny Krostitz zurück gen Horstsee. Zetti kann nochmal mit alten Weggefährten „abmoinzen“, Weidi ist sicher auch irgendwie zum Zug gekommen und Springi füllt die Mannschaftskasse. Nervenaufreibende Nummer, aber wie einst ein weiser Mann bemerkte: „A win is a win.“

In neuen, schicken Trikots, gesponsert von Torsten Kunert – unser Allianzhauptvertreter in Wermsdorf, sieht es dann am Wochenende erstmal weniger aus. Nach einer halben Ewigkeit darf man zwar mal wieder mit heimischem warmem Wasser geduscht werden, vorher gilt es aber erst einmal an der Sachsendorfer Straße gegen die SG Zschortau zu bestehen und vor der Veo-Cam ein nicht ganz zu kümmerliches Bild abzugeben – und das misslingt erst einmal. Wermsdorf mit viel Spielanteil, aber ohne zündende Ideen, wie die zwei äußerst tiefen Linien der Gäste überspielt werden können. Zschortau hingegen mit klarer Spielidee: hoch und weit. Und das System trägt nach einer halben Stunde Früchte. Ein Konter der SG kann nur per Foul gestoppt werden und der Freistoß zappt im Netz.

Wenig später fliegt der Ball wieder mit „Schnee drauf“ Richtung Wermsdorfer Gehäuse, und da die blau-weiße Hintermannschaft pennt, landet der Konter zum 0:2 im Netz.

Es folgt keine schöne Pause, aber eine, in der sich die Beckebande resettet bekommt. Aus den Kabinen heraus spielt nur noch der FSV. Die Collmkicker schieben hoch und schnüren die Gäste hinten ein. Klare Abschlüsse kommen allerdings erstmal nicht so wirklich dabei herum, doch der Druck wächst, und da der blau-weiße Wille sich immer mehr in der fixen Idee vom Comeback verbeißt, wird es ein großer Kampf, den die Beckebande an den Tag legt.

Louis Hoffmann kann seinem Gegner zwar noch nicht die Retourkutsche geben und sich nach dem Spielstand erkundigen, doch Wermsdorfs El Mala führt Angriffswelle um Angriffswelle an und holt einen aussichtsreichen Freistoß heraus. Den setzt Johannes Keller an den Pfosten, doch „Zille“ kriegt die „Bambi-Beine“ an den Rebound und wird gelegt – Strafstoß.

Dustin Auerbach, in der Winterpause verschollen, aber offenkundig ohne Keksreserven zurückgekehrt, übernimmt die Verantwortung und markiert den Anschluss in der 70. Spielminute. Die Sachsendorfer Straße und die über 100 Zuschauer sind nun endgültig mitgerissen, und am Fuße der Hubertusburg wird aus ein paar Fußballbekloppten eine Wucht an Willen und Emotionen. Trainer Denny Beckedahl gelingt es dabei, die Übersicht zu behalten und von außen die entscheidenden Impulse für die „Remontada“ zu setzen. Mit der Hereinnahme von Florian Böttger und Robby Staude steigert sich nicht nur der Altersdurchschnitt der FSV-Elf, sondern auch das Offensivmomentum.

Während Zschortau nach vorne außer zweier langer Bälle, die Torhüter Robyn Staude souverän abräumt, in der zweiten Hälfte nicht stattfindet, ist auf der anderen Seite „Feuer frei“ angesagt. Aui scheitert mit einer Direktabnahme vom kurzen Strafraumeck am Zschortauer Schlussmann, doch die anschließende Ecke schickt den Neu-Neuner wieder an den Punkt. Nach kurzer Variante bricht Robby durch, dribbelt wie Gott in Frankreich um den Ersten, den Zweiten und schließlich den Dritten, der den Ausfallschritt auspackt und „Schegge“ auf dem Weg zum Goat-Move wegnimmt – Strafstoß Nummer zwei. Wieder Aui, wieder viel „Cochones“, und jetzt könnte der Maler schon mal interessiert nachhaken, was die Anzeigetafel bereithält (75.).

Aber Wermsdorf hat noch nicht genug, und die Reserven scheinen ungebrochen. Mit Fitness, Laufbereitschaft, Aufopferungswillen und auch dem Quäntchen Spielglück, was sich durch jene Attribute potenziert, gelingt es: Mit auslaufender Spieldauer findet Zille den entscheidenden Moment. Auf der linken Bahn spurtet „Bambi“ in einen eigentlich verloren gegangenen Diagonalball und hält den Angriff am Leben. Zumindest so lange, bis er den Gegner bewusst anschießt, um den Ausball zu provozieren, und – angetrieben von der Bank auf selber Höhe mit eben jener – augenblicklich den Einwurf in den Lauf von Flori Bö setzt. Die neue Nummer 10 auf die alte, die auch ohne die magische Rückennummer noch genug Zauber versprühen kann. Böttgi zieht nach innen, kann es sich nicht nehmen lassen, noch eine Umkurvung mitzunehmen, ehe er straff an den zweiten Pfosten abgibt, wo Robby sich in Position gebracht hat und mit voller Wucht einnetzt.

Der Jubel ist grenzenlos, was Trainer Beckes Sprint wohl auch geworden wäre, wäre der Platz auf der Aschebahn nicht ausgegangen. Der Wahnsinn trägt Blau-Weiß und hat nach 5 Minuten Nachspielzeit sein nächstes Kapitel in 2026 geschrieben. Was für ein Drama, was für Emotionen. Wie mitreißend kannst du sein, Fußball?

Veredelt wird der Tag schließlich im Vereinsheim, wo Zetti am Würfelbecher den letzten Teil des vereinseigenen Integrationstests mit Bravour besteht, die Veo-Cam aus so manch strittiger Szene unstrittige Klarheit macht (aber sei es drum) und wo die Letzten dankenswerterweise auch noch gute drei Stunden nach Abpfiff in den Genuss von eben jenem schon gewürdigten warmen Duschwasser kommen dürfen. Als Wermutstropfen am blau-weißen Himmel kommt die Verletzung von Robyn Staude daher – gute Besserung! Dreimal 90 Minuten plus etwas mit der Beckebande, und die Gänsehaut füllt schon wieder mehr Raum aus, als gesund ist. Für Wermsdorf gilt es, in den kommenden Wochen die Baustellen weiter aktiv anzugehen und kollektiv zu bearbeiten, um neben Emotionalität auch Souveränität einzupacken – und dann kann die Gänsehaut noch chronisch werden. Schauen wir mal, was wird.

Bilder RW