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Chronik des Wermsdorfer Fußballs

Wie überall in Deutschland waren die ersten Sportvereine auch in Wermsdorf Turnvereine. Die Turnbewegung entstand Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem durch das Wirken von Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852). Nach „Turnvater Jahn“, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, sollte das Turnen Körper und Charakter bilden. In Wermsdorf sind erste Zeugnisse der Existenz eines Turnvereins aus dem Jahre 1863 bekannt. Am 07.06. dieses Jahres wurde der Turnplatz des hiesigen Turnvereins mit einer Feierlichkeit eingeweiht.
Die erste namentliche Erwähnung eines Wermsdorfer Sportvereins war die Gründung des „Turnvereins Wermsdorf-Hubertusburg“ am 16.03.1880, wie im Oschatzer Tagesblatt vom 21.03.1880 nachzulesen ist.  Es war ein bürgerlicher Verein mit einer Vielzahl von Sportarten, der bis Ende des 2. Weltkrieges der mitgliederstärkste des Ortes war.
1881 kam es zur Gründung des Turnvereins „Eichenkranz“. Dieser war ein reiner Turnverein. Mitglieder waren Bürgerliche und Arbeiter. Das Vereinslogo trug symbolisch die vier „F“ für das Leitwort der Turnerschaft „Frisch – Fromm – Fröhlich – Frei“, sowie einen Eichenlaubkranz.
Im Rahmen der Arbeiterbewegung bildete sich ein eigenes Turnwesen heraus. 1893 wurde in Deutschland der Arbeiter-Turner-Bund gegründet. Auf Bestreben des ATB aus Leipzig sollte auch in Wermsdorf ein Arbeiterverein entstehen. So gründeten 1921 Wermsdorfer Sportler den Arbeiter-Radfahrverein „Solidarität“, dessen  Übungsstunden im Gasthof „Goldener Hirsch“ stattfanden. Dieser trat dann geschlossen dem 1922 ins Leben gerufenen Wermsdorfer Arbeiterturnverein „Freie Turnerschaft“ bei. Anfangs insgesamt 67 Mitglieder wählten Arthur Haffner zum ersten Vorsitzenden. Am 09.03.1927 teilte das „Wochen- und Anzeigeblatt für Wermsdorf, Hubertusburg und Umgebung“ mit: „Der Wermsdorfer Turnverein „Freie Turnerschaft“ hat seinen Namen geändert und nennt sich von jetzt ab: Turn-, Spiel- und Sportverein „Eiche“ Wermsdorf e. V.“. Die Namensänderung wurde auf einer Mitgliederversammlung im „Goldenen Hirsch“ beschlossen, wo bereits der Ruf nach einer eigenen Turnhalle laut wurde. Erster Vorsitzender wurde Arthur Eichhorn. Weitere Gründungsmitglieder waren u. a. Arthur Kenzig, Hugo und Friedrich Scheller, Karl Schlicke, Richard Haubold und Georg Streubel. Dieser Verein war Mitglied im „Deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbund“, der 1919 aus dem ATB hervorging.
Bis 1927 fanden die Übungsstunden auf den Sälen der Gasthöfe bzw. im Kultursaal der Hubertusburg statt.
Als der bürgerliche „Allgemeine Turnverein (ATV) Wermsdorf-Hubertusburg im selben Jahr den Antrag zum Bau einer Turnhalle stellte, beschloss der Gemeinderat die Bürgschaft über 20000 Mark zu übernehmen. Nun verlangten die Mitglieder des Arbeitersportvereins TSSV „Eiche“ vom Rat der Gemeinde die gleiche Begünstigung, und so wurde der Bau zweier Turnhallen beschlossen. Die Vereinsturnhalle der TSSV „Eiche“ wurde auf einem Grundstück in der heutigen Kinogasse errichtet. In einem für uns heute unvorstellbarem Tempo, wobei die Sportler fast alles mit eigenen Mitteln finanzierten, selbst Kredite aufnahmen und einen Großteil der Arbeiten in Eigenleistung verrichteten, wurde die Halle fertig gestellt. Die Grundsteinlegung war am 14.08.1927, und bereits am 04.09.1927 konnte Richtfest gefeiert werden. Neben Übungsstunden fand in dem neuen Sportlerheim auch ein reges Vereinsleben statt. So finanzierte sich der TSSV „Eiche“ u. a. durch Tanzveranstaltungen, Skatabende, Theateraufführungen, Kinder- und Volksfeste.