118. Minute - Freistoß Becke - Justus setzt nach - 0:1 - Halbfinale - Hubertusburger Spieler, Trainer und Unterstützer in Partystimmung

FV Bad Düben - FSV Blau-Weiß Wermsdorf 0:1 n.V.  Statistik/Galerie

Zum zweiten Spiel innerhalb von 14 Tagen reisten die Hubertusburger am vergangenen Samstag abermals ins ferne Bad Düben. Das Spiel gegen die Kurstädter diesmal der Kampf um den Einzug ins TZ-Bärenpokalhalbfinale, der Ausgang aufgrund des 2:2 Unentschiedens im vorherigen Ligaspiel offen und der Tag verheißungsvoll. Die Blau-Weißen konnten sich auch trotz einigem Anfahrtsweg der Unterstützung von über 25 mitgereisten Wermsdorfer Fans erfreuen, die die spärliche Bad Dübener Zuschauerkulisse vergessen ließen und den Auftritt der Kupferlinge zum gefühlten Heimspiel machten. Die Aufgabe für den FSV nichts desto trotz ein ordentlicher Brocken, während in allen anderen Viertelfinals jeweils das Duell Kreisoberligist gegen Kreisligisten auf dem Papier eindeutige Favoriten verhieß, durften die Collmkicker auch im dritten Spiel der Pokalrunde die Klingen mit einem Ligakonkurrenten kreuzen.

Kurzfristige Arbeits- oder Verletzungsbedingte Absagen nötigten Trainer Dierk Kupfer zu einigen Startelfumbaumaßnahmen. Robby Staude rückte im Gegensatz zum Nordsachsenligaduell auf die Sechserposition, wo Patrick Kupfer nach mehrwöchiger Verletzungspause zurückkehrte und den defensiven Mittelfeldpart mit Sonderaufgabe Bewachung von FV 13 Tore Mann Sebastian van Gahlen komplimentierte. Der Rasen vom Wettergott ordentlich gewässert, Schiedsrichter Marcel Schöne, auch im dritten Wermsdorfer Pokalspiel mit der Spielleitung beauftragt, mit dem Anpfiff. Die Partie keine zwei Zeigerumdrehungen alt, die Gastgeber mit einer ersten Ecke die Blau-Weiß entschärft bekommt. Damit die Kupferlinge endgültig auf dem Grün angekommen, fortan vollauf da, mit Leidenschaft und Teamgeist äußerst präsent. Die blau-weißen Protagonisten schienen bereit für den großen Abnutzungskampf. Die Gäste mit druckvollem Pressing bis an den gegnerischen Strafraum, die Platzbesitzer ob der stetig heranstürmenden Meute früh verunsichert. Nachdem FV Kapitän Bastian Hampel noch sowohl gegen Pascal Weidner (6.) als auch dessen Sturmpartner Flori Böttger (8.) in höchster Not den Zweikampf gewinnen konnte, war es nach 11 Zeigerumdrehungen Justus Keller, der zum ersten Mal den Führungstreffer auf dem Fuß hatte.

Schraubstollenwühler Pascal Weidner behauptet das Spielgerät und steckt durch auf Visssel-Kobe-Kumpel-Keller, der den ersten Ballkontakt vergeigt, unverständlicherweise aufs eigentlich nicht weit über Standbein hinaus taugende Linke Hufeisen legt und schließlich am kurzen Kreuzeck vorbeikracht. Die Hubertusburger kennen ihr Problem vorm Tor nun aber gut genug, lassen nicht abreißen und investieren weiter mächtig viele blau-weiße PS auf dem durchweichten Geläuf. So wird in der 17. Spielminute ein kapitaler Ballverlust im Aufbauspiel der Heimelf erzwungen, Flori Böttger klaut das Streitobjekt vom Hampel Fuß und bricht gänzlich allein Richtung FV Torhüter Dominik Barth durch.

Während halb Wermsdorf zum Jubel abdrehen will, hat die Nummer 10 zu viele Optionen im Kopf, entscheidet sich wie schon beim Zweitrundentreffer im Derby gegen Mügeln fürs Umspielen des herauseilenden Schlussmanns, der aber einen Sahnetag erwischt hat, akrobatische Höchstleistung vollbringt und in der Grätsche den Ball unter sich begräbt, die Hundertprozentige vereitelt. Die blau-weiße Führung mittlerweile überfällig, die Anfangsphase weiter turbulent. Die Platzbesitzer vorne eigentlich seit dem Eckball zu Beginn gänzlich abgemeldet, kommen mit etwas Glück ebenfalls zur Großchance. Nach einem Abstimmungsfehler der FSV Abwehr in der 22. Minute ist Konrad Voigt am rechten Strafraumeck frei, zielt aber zu genau und am langen Pfosten vorbei.

Die Szene als Zeichen, dass Blau-Weiß hier trotz vollem Einsatz immer auch auf der Klinge tanzt, die eigenen Möglichkeiten lieber nutzen sollte, da Bad Düben nicht viele weitere Kompromisse bei ihren Nadelstichen machen wird. Während den mitgereisten Unterstützern am Spielfeldrand der Hopfenblütentee Wärme spendet und die Stimmung hebt, bereitet auch der Auftritt ihre Farben weiter viel Freude.

Die Kupferlinge übernehmen Mitte des ersten Durchgangs das Heft des Handelns, kommen immer wieder gefährlich auf. Nun schon die 45. Spielminute, Wermsdorf nochmal mit dem Versuch der eigenen Abschlussschwäche entgegenzuwirken und Belohnung für den läuferischen Aufwand einzufahren. Keller bleibt im Duell mit Hampel stabil, setzt den Flugball in den Lauf von Böttger aber einen Tick zu weit und so kann der Stürmer trotz artistischer Bemühung nur noch mit der Fußspitze eingrätschen und schiebt knapp an der Torstange vorbei.

Unmittelbar darauf gibt’s die für beide Teams wahrlich nötige Verschnaufpause. Die Kontrahenten bis hierhin ohne Zugeständnisse. Blau-Weiß dabei den berühmten Schritt schneller, im Zweikampf überzeugter und insgesamt griffiger. Zurecht darf Trainer Kupfer in der Pause mal wieder die eigene Unzulänglichkeit hinsichtlich dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag ansprechen, schickt seine Schützlinge nochmal von neuem angestachelt und im Wille gestärkt zurück in die Schlacht.

Der Wiederbeginn gehört dabei zunächst den Gastgebern, die ihre beste Phase im Spiel erwischen, viele Spielanteile in Wermsdorfs Hälfte verbuchen. Die Abwehrkette um Libero Denny Beckedahl besteht die Bewährungsprobe aber, hält gut dagegen und erteilt Durchflugverbote auf die von Benni Schönitz gehüteten Torstangen, der wenn doch mal Not am Mann ist aber sicher zugreift.

Ab der Stundengrenze hat der FV dann Sendepause, Blau-Weiß hat sich zurückgefightet und nun die besseren Argumente auf seiner Seite. War das Spiel die erste Viertelstunde nach Wiederbeginn noch auf Augenhöhe, so kann das vom restlichen Spielgeschehen nicht mehr behauptet werden. Die Hubertusburger wirken mit fortlaufender Spieldauer frischer, zeigen trotz größerem Laufeinsatz und einem Mehr an eigenem Zutun fürs Geschehen keine Abnutzungserscheinungen.

In der Gegenbewegung jagt die erste Kette um Böttger und Weidner nach wie vor entschlossen jeden Ball, dahinter entnerven Haudegen wie Linksaußen Sebastian Hanisch ohne Rücksicht auf Verluste den Gegner, der in der Folge vornehmlich zum weiten Ball ins Nichts greift.

Nach 67. rast Weidner entschlossen Richtung Barth Gehäuse, schließt zu zentral ab. Wenig besser machen es Justus Keller vom Strafraumeck mit rechts (71.), auf der Fünferlinie mit links (75.) oder Patrick Kupfer (77.) sowie Beckedahl (81.) aus dem Rückraum. Verlängerung zeichnet sich ab und offenbar hat auch der Unparteiische weiter Lust an diesem Fußballkick und auf die Zusatzschicht. Zur blau-weißen Unfassbarkeit bleibt die Pfeife stumm, nachdem Sebastian Körner in der 85. Spielminute im Strafraum ohne Chance auf den Ball einmal komplett umgepflanzt wird. Aller Aufregung zum Trotz kommt auch vom Assistenten an der Linie kein Impuls, mit Eckball geht es weiter. Der und auch die folgenden Versuche bringen nichts ein, der nicht unerwartete Fall von 90+X Minuten trifft ein. Bisheriges Spielgeschehen wird sofort nichtig, ab jetzt ist Blau-Weiß im vollkommen Kampfmodus. Angetrieben von der Unterstützung an der Seitenlinie gilt es nun alles reinzuwerfen und den Tanz auf Messers Schneide zu gehen.

Das man nicht besser spielen muss um ein Alles- oder Nichts Spiel zu gewinnen, beweist Bad Dübens One-Man-Show Sebastian van Gahlen nach wenigen Verlängerungsminuten, als er aus der Drehung mit dem ersten Kontakt in gleichem Maß annimmt und abschließt, Kapitän und Schlussmann Schönitz das Leder aber ans Außennetz guckt. Die Platzbesitzer damit mit schon verloren geglaubter Torannäherung und dem Beweis, dass eine Aktion das komplette Geschehen auf den Kopf stellen kann und es gilt, die Konzentration hochzuhalten.

Zunächst vergebliche Wermsorfer Proteste über einen ausbleibenden Schiedsrichterpfiff. Nach einem Hanisch Freistoß blockt Stefan Luderer den Ball im Sechzehner zweifellos mit der Hand, gibt dies später sogar selber zu, in diesem Moment natürlich aber nicht und so bleibt den Gästen abermals der Elfmeterpfiff verwehrt. Anders macht es Pascal Weidner, der in der 100. Minute erst die Großchance am kurzen Pfosten vorbeischiebt, dann den imaginären Fairplaypreis einholt und den Schiedsrichter korrigiert, dass es kein Eckball geben darf.

Das Drama nimmt seinen Lauf und Spannung kennt kein Halten mehr. Die Zeit schreitet unaufhaltsam voran, Bad Düben stehend K.O., mehr und mehr angezählt. Wermsdorf denkt nicht ans Aufhören, kann sich mit der Elfmeterlotterie nicht abfinden und will die Entscheidung erzwingen.

In einem unglücklichen Zusammenprall wird Torwart Benjamin Schönitz ein schmerzhaftes Gesichtstattoo verpasst, die Verletzungsunterbrechung als letzte willkommene Verschnaufpause, ehe der blau-weiße Emotionszug volle Fahrt aufnimmt.

Zunächst ist Pascal Weidner nochmal durch, scheitert abermals am gegnerischen Schlussmann. Ein Denny Beckedahl Versuch von der Strafraumkante wird geblockt und nachdem gleichwohl Sebastian Körner per Kopf und Justus Keller aus dem Dribbling heraus nicht mehr entscheidend abschließen können scheint der alles entscheidende Showdown vom Elfmeterpunkt unvermeidbar. Die 118. Spielminute ist angebrochen, da erarbeitet Flügelspieler Sebastian Hanisch im Mittelfeld nochmal einen Freistoß. Selbstverständlich steht Beckedahl bereit, die Nummer 37 übernimmt die Verantwortung für den letzten Akt des Geschehens. Der Schuss mit viel Effet angesetzt, FV Torwart Barth muss sich strecken, kann das Leder nicht kontrollieren und muss zur Seite abtropfen lassen.

Während Bad Düben dem Tempo der vorangegangenen Schlacht Tribut zollen muss, eine kollektive Auszeit im eigenen Strafraum nimmt, setzen die Hubertusburger entschlossen nach, der Unterschied der das Spiel entscheidet. Barth schiebt den Ball zum rechten Pfosten, Justus Keller hat darauf spekuliert und sieht das Spielgerät vor seine Beine fallen, zwei lange Schritte, zu Spielbeginn hätte man es vielleicht noch Sprint nennen können, dann stolpert die Nummer 15 das Leder mit letzter Kraft über die Linie.

Blau-Weiß explodiert im Freudentaumel und versinkt in einer Jubeltraube, der goldene Moment der Partie ist gefunden und ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Kupferlinge schreibt sich fort. Der Reklamierarm der Gastgeber natürlich ausgefahren, doch aller Protest nützt nichts, Videobeweis gibt es im Viertelfinale noch nicht und der Treffer zählt.

Von zwei Enden des Feldes tönt nun der Hubertusburger Schlachtruf, der Kampf ist gewonnen. Die Kupferlinge haben es geschafft, der eigenen Abschlussschwäche entgegen einfach immer weitergemacht, mit dem Wissen, das aller Einsatz irgendwann belohnt wird. Im Vorfeld wurde immer wieder die blau-weiße DNA beschworen und nun steht fest, der FSV hat sie auf den Platz bekommen.

Damit setzten sich die Gäste verdient durch, besiegen die Jahre anhaltendende Durststrecke gegen die Kurstädter zum richtigen Zeitpunkt und buchen das Halbfinalticket.
Nun gilt es zu regenerieren und den Fokus für das restliche Jahr neu zu stellen. Schon an diesem Wochenende steht das nicht weniger wichtige Derby gegen formstarke Mügelner auf dem Programm, ehe es am die Hinrunde schließenden Spieltag daheim gegen das punktgleiche Schenkenberg geht. Die nächsten schweren Aufgaben auf der blau-weißen Reise also und die Mannen um Trainer Dierk Kupfer wollen auch auf der zweiten Hochzeit Nordsachsenliga weiter munter mittanzen. Das heißt, den Bad Düben Erfolg in positive Energie umwandeln aber bewusstmachen, dass es weiter nichts geschenkt gibt. Sie haben erfolgreich weiter daran gearbeitet, dass sich die Außenwirkung des FSV stetig Richtung Spitzenteam auf Kreisebene verschiebt und um diesen Status zu untermauern, bedarf es weiterer guter Ergebnisse. Mügeln/Ablass – wir freuen uns auf euch!

Zuschauer: 83

Schiedsrichter: Marcel Schöne

Wermsdorf: Schönitz, D. Weidner, Beckedahl, Siebert, Kupfer, Staude, S. Körner, Keller, Hanisch, P. Weidner (Eckert), Böttger

Justus Keller/Bilder René Wegner