Aufholjagd bringt leistungsgerechten Punkt in Bad Düben

FV Bad Düben - FSV Blau-Weiß Wermsdorf 2:2 (2:1)  Statistik/Galerie

Am vergangenen Samstag stand für die Blau-Weißen eine echter Härtetest an. Es ging nach Bad Düben, wo ein den Wermsdorfer bekanntermaßen unangenehmer Gegner wartete. Das Ligaspiel dabei unter dem Vorzeichen, dass beide Kontrahenten nur 14 Tage später an selber Stelle wieder aufeinandertreffen werden, wenn es um den Einzug ins Pokalhalbfinale geht. Dementsprechend groß die Motivation, Akzente zu setzen und Selbstvertrauen einzuholen.

Den Gastgebern sollte genau das zunächst äußerst gut gelingen. Während der FSV in Gedanken noch beim Mittagsschlaf ist, treibt Bad Düben den Ball durch die eigenen Reihen und nach nur zwei gespielten Minuten darf Sebastian von Gahlen unbedrängt zur Führung einschieben. Die Kupferlinge finden auch in der Folge nur schwerlich Zugang zum Geschehen, rennen dem Spielgerät über weite Strecken hinter her. Einige Abschlüsse testen FSV Torhüter Benjamin Schönitz, der sich als einziger in blau-weiß auf der Höhe zeigt.

Mit zunehmender Spieldauer wird das Wermsdorfer Spiel nach vorne zwar gefälliger, vor allem schnelle Tempogegenstöße verheißen immer wieder Gefahr, die Abwehrreihen bleiben aber luftig. Große Proteste der Gäste nach 24 Minuten, als Florian Böttger im Strafraum ungeahndet gefoult wird. Auf der anderen Seite kommt Bad Düben mittlerweile vornehmlich über Standards zu Chancen und gibt sich dabei deutlich zielstrebiger als der Gegner. Nach einem Eckball in der 33. Minute herrscht in Wermsdorfs Hintermannschaft Uneinigkeit, man verschiebt nicht kollektiv Richtung ballführenden Spieler und rennt so ins offene Messer. Der Ball wird an den Fünfmeterraum gechippt, wo Johannes Rücker komplett vergessen wurde und allein auf weiter Flur zum 2:0 einnicken kann. Wer meinte es geht nun dahin mit den Collmkickern, der sah sich kurz darauf getäuscht als Sebastian Körner schon in der 34. Minute die Moral in der direkten Antwort einige Etagen anhob. Über die rechte Außenbahn bricht der FSV durch, anders als einige Male zuvor stimmt nun der entscheidende Pass auf die Nummer 22, die im Rückraum die Ruhe behält, antäuscht und verzögert und den so wichtig schnellen Anschluss herstellt.

Bis zum Pausentee nehmen die Hubertusburger den Schwung von diesem Treffer mit, drücken auf den Ausgleich und haben diesen in zwei absoluten Topmöglichkeiten auf dem Fuß. Nach 40 Zeigerumdrehungen verlädt Florian Böttger im Strafraum zunächst seinen Gegenspieler, schließt dann Richtung Kreuzangel ab aber sein Schuss wird noch minimal abgefälscht, sodass das Kunstleder wenige Zentimeter am langen Pfosten vorbeisegelt. Die letzte Aktion des ersten Durchgangs dann bei Stürmer Dominic Arendt, der von Nebenmann Pascal Weidner mustergültig bedient wird, den Abschluss von links mit rechts aber zu zentral setzt und an Bad Dübens Schlussmann David Börner scheitert.

Die Halbzeitpause tut dem blau-weißen Offensivdrang keinen Abbruch und die Kupferlinge machen aus der Pause raus da weiter wo sie aufgehört haben. Die Partie nach Wiederbeginn nur wenige Sekunden alt, da steht Spezialist Beckedahl zum Freistoß bereit. Aus gut 30 Metern setzt der Libero ein Geschoss ab, dass vor Börner einen Knick macht und im linken Toreck einschlägt.

Die Hubertusburger also früh mit dem verdienten Ausgleich und durch die zwei Tore Aufholjagd mit mächtig Wind in den Segeln. Körner verzieht aus der Distanz (52.) und Jakob Jülich wird in höchster Not geblockt (56.), auf der anderen Seite bleiben die Hausherren durch weite Bälle in die Schnittstelle gefährlich. So entwickelt sich ein offener Schlagabtausch mit viel Gefühl zwischen den Boxen, dass für beide Mannschaften zu einem kräftezehrenden Abnutzungskampf wird.

Blau-Weiß wirkt hierbei hinten raus griffiger und zeigt Ausdauervorteile, fängt sich einer Phase in der Bad Düben die Reserven langsam knapp werden aber beinahe den erneuten Rückstand ein. Nach 74. Spielminuten fällt das Spielgerät am Fünfmeterraum vor die Füße vom eingewechselten Emilio Jimenez, doch FSV Außenverteidiger wirft sich entschlossen entgegen, verhindert den Abschluss und klärt in Weltklassemanier.

Das Geschehen in der Folge vornehmlich in der Hälfte der Gastgeber angesiedelt, dabei aber ohne die durchschlagende Gästeaktion. Die lassen über die volle Spieldauer letzte Konsequenz im Abschluss oder Konzentration im entscheidenden Drittel vermissen, vergeben immer wieder vielversprechende Ansätze und Spielsituationen wie unter anderem in der 79. Spielminute, als Justus Keller im Überzahlangriff die Chance durch einen kapitalen Fehlpass vergeigt. Es sind diese Situationen, die es in Blau-Weiß im kommenden Pokalauftritt unbedingt abzustellen gilt. Aufbauen können die Kupferlinge hingegen auf ihrer Ordnung im zweiten Spielabschnitt, die gut gestaffelt wenig Raum anbietet und dem Offensivspiel der Gegner überzeugend den Zahn ziehen konnte.

Gerade den großen Laufaufwand der Hubertusburger scheinen die FV’ler nicht mitgehen zu können, gepaart mit nötigem Einsatz und mehr Konsequenz nach vorne also Pokalmutmacher. So haben die Gäste von der Sachsendorfer Straße nun in der Schlussphase das Heft des Handelns in der Hand, sehen sich aber spätestens nach einer berechtigten gelb-roten Karte gegen Bad Düben einer vielbeinigen und tiefen Abwehrreihe gegenüber. Der blau-weißen Offensive fällt dagegen zum Ende hin nur noch wenig ein, ein verzogener Keller-Kopfball auf Jülich Flanke die letzte nennenswerte Aktion. So trennen sich die Kontrahenten im ersten von zwei Aufeinandertreffen im November letztendlich leistungsgerecht mit Unentschieden. Das kann der FSV aufgrund der Aufholjagd und dem schwachen Start in die Partie durchaus als Erfolg verbuchen, doch will man sich im Spitzenfeld der Nordsachsenliga festsetzten bedarf es in den kommenden Wochen spielerischer Steigerung und über 90 Minuten geordneter und vor allem kollektiver Defensivarbeit aller Mannschaftsteile. Was das Spiel abermals gezeigt hat, dass Moral und Einsatz in Blau-Weiß durchschlagen gut stimmen und die Truppe von Dierk Kupfer so schnell nicht klein zu kriegen ist. Das darf Mut machen für den Auftritt in 14 Tagen, wenn es an selber Stelle zum Duell ums Pokalhalbfinale geht, muss zugleich aber auch Ansporn sein, in harter Trainingsarbeit die Grundlage für dann abermals intensive 90+x Minuten zu legen.

Schiedsrichter: Jörg Schlenski

Zuschauer: 55

Aufstellung: Schönitz, Dominik Weidner, Beckedahl, Staude (Böhm), Keller, Köppe, Böttger, Körner, Jülich, Arendt, Pascal Weidner



Justus Keller/Bilder René Wegner