Heiße Schlussphase an der Sachsendorfer Straße - Glücksgriff: Dodo trotzt blau-weißem Chancenwucher

FSV Blau-Weiß Wermsdorf - SV Zwochau 1:0 (0:0)  Statistik/Galerie

Nach der bitteren 0:1 Pleite im Spitzenspiel gegen Aufstiegsfavorit Hartenfels Torgau stand für die Blau-Weißen am Samstag Wiedergutmachung auf dem Programm. Der Gegner dabei keinesfalls Kanonenfutter, lauerte Zwochau mit nur zwei Punkten weniger als die Hubertusburger gar auf die Chance zum Überholmanöver. Bei herrlich herbstlichem Schmuddelwetter stand also eine nächste echte Standortbestimmung an. Co-Trainer Ralph Horbas, der den verhinderten Dierk Kupfer vertrat, konnte sich abermals einer ansehnlichen Personaldichte erfreuen, eine schlagfertige Truppe aufs wassergetränkte Grün zu schicken.

Die Wermsdorfer sahen sich zunächst früh pressenden Gästen gegenüber. Beide Mannschaften verabschiedeten sich früh vom vorsichtigen Abtasten und so kam der Spielbeginn recht hektisch daher. Viele Aktionen zunächst überhastet, die Partie vom Anpfiff weg lauf- und kampfbetont. Mit zunehmender Spieldauer konnten die Gastgeber schließlich Kontrolle über das Geschehen gewinnen.

Ab der 20. Spielminute nur noch Blau-Weiß, einziges Zwochauer Mittel als Antwort im Angriff weite Bälle, die die Wermsdorfer Hintermannschaft vor keine größeren Probleme stellten. Auf der anderen Seite war sich der FSV aber noch nicht so ganz einig, ob es ebenfalls über den direkten Flugball hinter die Linie der Gäste-Abwehr oder ein mehr oder weniger gepflegtes Kurzpassspiel funktionieren sollte. Der ruhige Spielaufbau über das zentrale Mittelfeld erwies sich in der Folge als bessere Alternative und bedingte eine Vielzahl guter Einschussmöglichkeiten.

Bedauerlicherweise zeigten die Platzbesitzer dabei allerdings wieder altbekannten Chancenwucher. So vertändelte Justus Keller die erste Großchance (18.), Sebastian Körner zielte drüber (21.) und Stürmer Pascal Weidner setzte sich zwar mehrmals stark in Szene, blieb den Ertrag der harten Arbeit aber schuldig. Die Blau-Weißen weiter bemüht, Lösungen gegen die Achter-Formation der Gegner im eigenen Strafraum zu finden, wenn man das Kunstleder aber nicht vermag zwischen die Alustangen zu kicken, dann wird es mit dem Tore schießen eben wirklich schwer. Die Partie bis zum Pausentee entsprechend konstant einseitig Richtung von Andreas Glück (dessen Name also Programm war) gehüteten SV Gehäuse. Einschwören, Sammeln und Abstimmungsanpassung in der Kabine und ab ging es zurück ins feine Grau am Fuße der Hubertusburg.

Farbe in die Triste des Wetters will blau-weiß umgehend bringen, läuft nun nahezu Sturm. Das vorherrschende Bild bleibt jedoch: vergebene Weidner Möglichkeit, erfolglose Hanisch Ecke, nächster Versuch durch Körner, erfolgloser Kupfer Eckstoß und so weiter und so fort.

Die Uhr tickt und langsam nähert sich der mittlerweile überlegene Gastgeber dem Erfolg spürbar an. Nach Kombination über den linken Flügel ist es Jakob Jülich am langen Pfosten, der auf den eingelaufenen Außenverteidiger Dominik Weidner ablegt. Leider zeigt die Nummer 4 seine Abwehrqualitäten und klärt mustergültig hin zum Biercontainer. Die Dominanz erhärtet sich schließlich, als nach 58 Minuten ein Zwochauer Wutling nach erneut ausuferndem Mitteilungsbedürfnis die Ampelkarte sieht und vorzeitig duschen gehen darf.

Der heiße Endspurt der Partie ist damit eingeleitet und steigert bis zum Abpfiff noch bis ins Bodenlose. Zunächst verletzt sich aber FSV Flügel Philipp Springer im Zweikampf am linken Knie und droht länger auszufallen.

Die nötige Einwechselung von Stürmer Dominic Arendt wird schließlich zum goldenen Moment des Tages und zeigt wie nah Pech an Glück liegt. Wenige Augenblicke nach seiner Einwechslung sieht der blau-weiße Pfeil den Raum im rechten Strafraumeck, Mitspieler Keller spannt mit seinem Pass durch die Gasse den Bogen und Dodo Arendt drückt ab, saust los, bleibt eiskalt und schiebt durch die unglücklichen Glück-Beine hindurch zur überfälligen Führung ein.

In den folgenden Minuten können die Hubertusburger alles klar machen, bleiben sich aber treu und versieben schönste Kombinationen. So lassen unter anderem Arendt und Körner im Zusammenspiel die Gegner wie Fahnenstangen aussehen, finden aber nicht den Weg zur Vorentscheidung.

Zwochau hat mittlerweile nichts als Foulspiele und Unsportlichkeiten entgegenzusetzen, die mitgereisten Zuschauer geben ihr Übriges hinzu und so heizt sich die Stimmung mehr und mehr auf, bis es knappe zehn Zeigerumdrehungen vor Spielschluss ordentlich kracht. Erst wird Keller abseits des Balls einfach umgegrätscht und während Schiedsrichter Ellmann rot zückt, brennen Sebastian Körner in Frank Rijkaard Manier die Sicherungen durch und er darf gleich mit runter gehen. Mit 10 gegen 9 wird also irgendwann weiter „gespielt“, von Fußball kann aber keine Rede mehr sein. Stattdessen Privatfehden, in denen die Gäste versuchen aus der Unterlegenheit wenigstens noch Karten zu sammeln und die Blau-Weißen teilweise wenig souverän bleiben. Eine letzte vergebene Weidner-Chance, Zwochaus einzig annähernd Richtung Schönitz hingemurmelter Schuss und dann ist der Heimerfolg der Hubertusburger konkret.

Die Kupferlinge finden also pünktlich vorm Pokalachtelfinale bei Schildau zurück in die Erfolgsspur, beweisen Durchhaltevermögen und Geduld nach vorne. Verlieren aber gleichzeitig in Springer und Körner zwei wichtige Stützen, für die in den kommenden Wochen Andere abliefern müssen. Es gilt also in den kommenden Wochen weiter als Team zusammenzustehen und mit geschlossenem Einsatz und nötiger Leidenschaft alles zu geben. Dafür recht förderlich wäre wohl, wenn die Weidners, Kellers und Jülichs in Blau-Weiß mal ihre Kaltschnäuzigkeit finden würden...

Schiedsrichter: Pascal Ellmann

Zuschauer: 93

Aufstellung: Schönitz, D. Weidner, Beckedahl, Siebert, S. Körner, Kupfer, Springer (Arendt), Keller, Hanisch, Jülich, P. Weidner

Justus Keller/Bilder Pauline Kamm und René Wegner