Hubertusburger vor Rekordkulisse im Derby eine Runde weiter

Pokal: FSV Blau-Weiß Wermsdorf - SV Mügeln/Ablaß 3:0 (2:0)  Statistik/Galerie

Die Temperaturen kühlten sich zum Wochenende merklich ab, die Stimmung an der Sachsendorfer Straße heizte sich hingegen je näher der Samstag rückte auf. Zur zweiten Pokalrunde hielt die Losfee für die Blau-Weißen einen ganz bestimmten Gegner bereit, man empfing die Obstländer aus Mügeln/Ablaß zum Derby. 250 Zuschauer boten eine Rekordkulisse am Fuß der Hubertusburg und wollten sich das heiße Tänzchen beider Dauerrivalen nicht entgehen lassen. Der Rahmen für das Aufeinandertreffen der Nordsachsenligisten also fantastisch bereitet und auch Trainer Dierk Kupfer hatte Grund zum Optimismus. Anders als noch zu Wochenbeginn abzusehen, konnte er personell nahezu aus dem Vollen schöpfen, hatten sich selbst Wackelkandidaten doch noch Zeit freigeschaufelt, um ihren Teil zum bisherigen blau-weißen Saisonhighlight beitragen zu können.

Somit eine schlagfertige Truppe beisammen, die unter dem Hintergrund, den nächsten Nachbarn aus dem Wettbewerb werfen zu können wie elektrisiert ins Geschehen ging. Das Spiel außerdem als beste Möglichkeit für die Hubertusburger, die ärgerliche Schlappe aus der Vorwoche im Ligaspiel in Schildau wett zu machen.

Die Selbsttherapie und Prestige der Partie vor Augen, eine flammende Ansprache des Trainers im Ohr zeigten sich die Gastgeber von Beginn an vollumfänglich auf der Höhe des Geschehens. Die Mannschaftsteile gaben sich kompakt, gut gestaffelt und ordentlich organisiert. Keine Minute ist verstrichen, da geht es nach Balleroberung blitzschnell. Mittelfeldmann Justus Keller steckt diagonal durch zu Rechtsaußen Wirbelwind Jakob Jülich, der seinem Gegenspieler enteilt und den umgehenden Führungstreffer nur durch einen zu unpräzisen Abschluss verpasst. Die Gäste vom intensiven Pressing der Wermsdorfer beeindruckt, komplett von der Spur und früh im Spiel mit einem davon provozierten kapitalen Bock. Die erste Großchance zwar vergeben, finden die Blau-Weißen nach nur drei Zeigerumdrehungen dennoch den perfekten Start. Stürmer Pascal Weidner läuft im Verbund mit Nebenmann Flori Böttger energisch Richtung Mügelner Spielaufbau an, erzwingt den Ballverlust und so ist es Böttger, der in aussichtsreicher Position frei vor SVMA Schlussmann Arne Schütze durchbrechen kann. Während die Sachsendorfer Straße den Jubelschrei bereits auf den Lippen hat, umkurvt die Nummer 10 die finale gegnerische Hürde problemlos und schiebt zum 1:0 ein.

Breite Brust und Selbstvertrauen bis zur Spitze des Collmer Albertturms auf der einen Seite, Verunsicherung beim Gegenüber und die Kupferlinge lassen keinesfalls nach. Zunächst verpasst es Weidner in vorderster Front eine Hereingabe über die Linie zu drücken, dann sind die Obstländer im Glück, als Sechser Patrick Kupfer beim frechen Versuch einer direkt getretenen Ecke am kurzen Pfosten scheitert.

Überfallartig geht es weiter und das Kommando blau-weiße Attacke ist nach einer knappen halben Stunde wieder von Erfolg gekrönt. Ausgangspunkt ist Jülich, der einen überragenden Tag erwischt und über den rechten Flügel Knoten in die Beine der Gegenspieler wirbelt, nun nach 25 Minuten einen verunglückten Ablaßer Querpass abfängt, kurz anzieht und das Spielgerät vorantreibt und schließlich auf Teamkollege Böttger durchsteckt. Der löst sich im richtigen Moment und setzt sich hinter die gegnerische Abwehrkette ab, sucht den Abschluss, den Arne Schütze aber parieren kann. Doch das Bild der Anfangsphase setzt sich fort, der FSV um einiges wacher als die Obstländer und so setzt Urgestein Robby Staude erfolgreich nach und bleibt beim Rebound cool, netzt zum verdienten Führungsausbau ein.

Mit dem zweiten Treffer im Rücken sieht die Sachsendorfer Straße in der Folge eine kontrolliert spielende Hubertusburger Mannschaft, die nach hinten nichts zulässt und vorne auf die nächsten Lücken lauert. Den Kontrahenten fällt auf die griffigen Kupferlinge keine Antwort ein, weite Bälle segeln über alle Enden der grüne Wiese hinaus oder werden in konzentrierter Defensivarbeit geklärt. Fußballerisch kommt das Geschehen so zunehmend mau daher, da auch die Gastgeber vermehrt nach dem Motto „Hoch und Weit bringt Sicherheit“ agieren, damit aber eben deutlich erfolgreicher fahren.

Der Pausentee kann also genutzt werden, um an eben diese Dinge zu appellieren. Die eigene Ordnung wahren, kollektiv weiter in der gezeigten Konsequenz arbeiten und in der Offensive nachlegen der „einfache“ Matchplan der FSV’ler für den zweiten Durchgang. Kurz nach Wiederbeginn leisten sich die Mannen um Libero und Geburtstagskind Denny Beckedahl aber die erste Nachlässigkeit der Partie und gleich wird es gefährlich. Youngster Ben Dechert, der im Mügelner Angriff nahezu den Alleinunterhalter gibt, entwischt einmal der sonst überzeugenden Deckung von Patrick Kupfer, zieht mutig ab und Torhüter Benjamin Schönitz im Wermsdorfer Gehäuse "guckt" das Kunstleger an den Pfosten.

So schnell hätte es gehen könne, die ganze schöne Arbeit wäre dahin gewesen. Stattdessen sind die Alarmglocken in blau-weiß aktiviert, die einzige kurze Phase der Nachlässigkeit im eignen Spiel wird schnell überwunden. Das Geschehen verlagert sich nun zunehmend zwischen die Boxen, wobei die Hubertusburger engagiert in jeden Zweikampf gehen und die entscheidenden Aktion dank großem Kämpferherz für sich entscheiden können. Die Mannen von Kapitän Schönitz ackern angetrieben vom Zurufen ihres Schlussmanns Meter für Meter und nehmen das Derby an wie es ist.

Weiter viele hohes Geschlage und einiges Stückwerk, letztlich geht es aber um das Ergebnis und das macht der doppelte Florian Böttger in der 74. Spielminute konkret. Nachdem seine Mannschaftskameraden in den vorangegangenen Minuten immer wieder der möglichen Vorentscheidung nahegekommen sind ist es nun abermals die Nummer 10, die dem Spiel den eigenen Stempel aufdrückt. Ebenfalls wieder als Initiator entscheidend beteiligt Man of the Match Jülich, der den Stürmer im rollenden Wermsdorfer Angriff mustergültig bedient und seinen Mitspieler wenig später eiskalt gegen Schütze einschieben und zum Jubeln Abdrehen sieht.

Mit dem dritten Gegentreffer muss der SVMA aufmachen und die Platzbesitzer bekommen mehr Platz. Während die eigene Abwehrreihe konsequent gut standhält und dem Gegner keine Möglichkeit zum Anschluss gewährt, entwickelt sich bis zum Abpfiff ein Privatduell zwischen dem eingewechselten Dodo Arendt in Blau-Weiß und Arne Schütze zwischen den Torstangen.

Der Wermsdorfer Wirbelwind findet mehrmals den perfekten Sprint zur richtigen Zeit oder das Schlupfloch durch Mügelns Abwehr, sucht den Torerfolg aber leider vergeblich. So saust der Ball am langen Pfosten vorbei (78.), landet in den Armen des Ablaßer Schlussmanns (81.) oder klatscht nur ans Außennetz (83.). Die Heimelf verpasst somit eine mögliche und durchaus verdiente höhere Derbyausbeute, doch das interessiert wenig später nicht mehr so recht. Unterm Strich steht ein ungefährdeter Einzug in die nächste Runde und ein Ausrufezeichen in der Region. Der FSV bringt die eigenen Tugenden auf den Platz, Kampf- und Mannschaftsgeist gepaart mit Leidenschaft lassen die blau-weißen PS durchschlagend zur Geltung kommen. So geht der Reise im Pokalwettbewerb erfolgreich los und darf gerne noch lange weitergehen. Das heißt in den kommenden Aufgaben wieder die Leistungsgrenze zu überschreiten und vor allem am Fischerfest-Wochenende, wenn das Achtelfinale gespielt wird gänzlich auf der Höhe zu sein. Wer dort zum Fest geladen wird oder wohin die Ausfahrt geht wird am kommenden Samstag an der Sachsendorfer Straße entschieden, wenn der NFV in der Halbzeitpause beim Spiel der Hubertusburger gegen den SV Süptitz die Auslosung der nächsten Runde vornimmt.

Schiedsrichter: Marcel Schöne

Zuschauer: 250

Aufstellung Blau-Weiß: Schönitz, Dominik Weidner, Beckedahl, Siebert, Kupfer, Staude, Körner, Keller (Hanisch), Jülich, Pascal Weidner (Arendt), Böttger

Justus Keller/Bilder Pauline Kamm und René Wegner