Alle Achtung - Hubertusburger ganz dicht an der Altkreismeisterschaft dran - traditionelles Auflaufen mit unseren Jüngsten - Resi schlägt zweimal zu!

FSV Blau-Weiß Wermsdorf - SC Hartenfels Torgau 4:3 (1:2) Statistik/Galerie

Zum letzten Heimspiel der Saison 2018/19 empfingen die Hubertusburger am Samstag den SC Hartenfels Torgau. Der Tabellendritte lud zum Topspiel an der Sachsendorfer Straße, das Aufeinandertreffen mit den Viertplatzierten als wahrscheinliche Vorentscheidung im Kampf um den Podestplatz. In Blau-Weiß dabei alles im Zeichen von Sebastian Freiberg, der sein Abschiedsspiel am Fuß der Hubertusburg gab.

Als Luppa Import im Zuge der Spielgemeinschaftszusammenlegung vor mittlerweile vier Jahren nach Wermsdorf gekommen, spielte sich die Nummer 5 auf Anhieb in die blau-weiße Startelf, ist dort seitdem nicht wegzudenken gewesen, köpfte und kämpfte als Fels in der Brandung erst gegen den Abstieg, später und aktuell als Säule im kupferschen System um Platz drei. Nun macht der Mittelfeldmann zum Saisonende Schluss, zollt dem Alter Tribut, wenngleich das manch geneigter Zuschauer kaum glauben kann, spult Resi doch nach wie vor im Stile eines jungen Wilden Kilometer für Kilometer ab, beackert die Wiese konsequent zwischen und in beiden Boxen und ist in Sachen Fitness dem ein oder anderen deutlich jüngeren Mitspieler noch um Längen voraus. Stets mit (alt)klugen Weisheiten und Ratschlägen im Gepäck erarbeitete sich der Malkwitzer schnell den gutgemeinten Spitznamen als Opa der Truppe, lebte diese Rolle als Vorbild und lernte sie mit der Zeit lieben. Es wird ein großer Teil sein, der da in Blau-Weiß wegbricht, den es so nicht zu ersetzten geht. Der aber selbst mit daran bastelte, seine Nachfolger bestmöglich aufzubauen. Ein letzter Tanz also für den „Opsch“ im eigenen Wohnzimmer, die Kulisse mit Gänsehautstimmung. Den eigenen Sohn (Stichwort Nachfolger) als Einlaufkind an der Hand, führte Resi seine Farben als Kapitän aufs Feld, wo eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle folgen sollte.

Präsident Réne Naujoks noch vor Anpfiff mit einigen Abschiedsworten und den ersten Tränen in den Augen, die Emotionen waren hochgefahren und dann ging es sportlich ans Eingemachte. Die Partie dabei noch von einigen Spannungen aus dem Hinspiel untermalt, als es in Torgau mächtig zur Sache ging und der ein oder andere Sportfreund an der Seitenlinie manche Manieren des guten Benehmens vergessen ließ. Die Dorftruppe, die nur hohe Bälle schlagen kann jedenfalls mit nahezu voller Kapelle, breiter Brust und absoluter Entschlossenheit die fußballerische Antwort zu geben. Entsprechend geladen kommen die Kupferlinge in die Partie, sind von Beginn an hellwach und umgehend voll da. Die Anfangsphase gekennzeichnet von druckvoll pressenden Gastgebern, die entschlossen Anlaufen und bei Ballgewinn schnell umschalten. Die Gäste können nur staunen, es setzt die ersten brandgefährlichen Abschlüsse. Stürmer Dodo Arendt hat die Führung bereits nach drei Zeigerumdrehungen auf dem Fuß, schiebt aber am langen Pfosten vorbei. Acht Minuten sind durch, da bebt die Sachsendorfer Straße. Nach Ballgewinn geht es auf Höhe der Mittellinie blitzschnell, Florian Böttger wird auf die Reise geschickt, ist von Torgaus Hintermannschaft nicht mehr zu fassen und bleibt vor Nowack eiskalt, überlupft den Schlussmann und findet die blau-weiße Belohnung.

Die Stimmung bombastisch, der Auftritt der Hubertusburger voller Überzeugung und Leidenschaft. So geht es munter weiter, das Geschehen kennt nur eine Richtung. Nach einer Viertelsunde muss Arendt nachlegen, zielt allerdings abermals zu genau. Kurz darauf wieder Balleroberung im Mittelfeld, Kapitän auf Abschiedstournee Freiberg schnappt sich das Spielgerät und marschiert durch, der Blick geht hoch und aus gut 30 Metern jagt die Nummer 5 den Ball aufs Nowack Gehäuse, der sich streckt und das Geschoss irgendwie noch an die Latte gekratzt bekommt. Experten sind sich einig und bedanken sich beim Torgauer Hüter, wenn Resi den einschweißt rumpelt es im Colmer Seismografen derart heftig, dass das THW an der Sachsendorfer Straße anrückt.

Auf der anderen Seite hat sich Hartenfels nun so langsam ins Spiel gezittert, die Hubertusburger verlieren ein Stück der Spannung und die Gegner übernehmen zunehmend mit weiten Diagonalbällen die Initiative. Legales und überzeugendes Mittel, hat man mit 28-Tore Mann Steve Hache den treffsichersten Stürmer der Liga in den eigenen Reihen, doch die Abwehrreihe des FSV steht stabil, gibt sich aufmerksam und griffig. Allen voran Rechtsverteidiger Dominik Weidner im Zusammenspiel mit Vordermann Philipp Springer entnerven den designierten Torschützenkönig und lassen ihn kaum zur Geltung kommen.

Torgau muss auf Distanzschüsse zurückgreifen, kommt dabei eigentlich harmlos daher. Doch Libero Denny Beckedahl will seinen Vorderleuten mal zeigen wie man einnetzt, macht einen Abschluss aus dem nichts heraus mit einer kleinen Slapstick-Einlage scharf und lässt den Querbalken zittern, der zum Wermsdorfer Glück schlimmeres und unverdientes Übel verhindert. Große Geste dann Mitte des ersten Durchgangs, als Sebastian Körner verletzt liegen bleibt huldigt Hache dem Fairplay, zieht nicht Richtung Schönitz Tor durch, sondern schiebt ins Aus. Der Fußballgott und Schiedsrichter Christian Döring danken es dem SC, schenken in der 29. Spielminute einen Freistoß, den Wermsdorfs Ente zwischen den Torstangen zwar hält, aber Bornmann fällt der Rebound vor die Füße, die sich möglicherweise im Abseits befinden und schon steht es 1:1. Die Hubertusburger werden für Fahrlässigkeit bei eigenen Abschlüssen bestraft und müssen sich schütteln.

Die Köpfe bleiben oben und Blau-Weiß drängt auf die direkte Antwort. Abermals wird eine ganze Palette an Hochkarätern erarbeitet, bedauerlicherweise wieder ins Fangnetz oder die Nowack-Hände bzw. gegen diverse andere Extremitäten gefeuert. Das Geschehen steuert der Pause entgegen, da nehmen sich die Kupferlinger schon eine eigene Auszeit zur Unzeit. Die Platzbesitzer verpennen eine kurze Ecke, schieben dann nicht aus dem Fünfmeterraum und so kann Christian Scaruppe die Flanke zum Führungswechsel verwerten. 25 Minuten klar besser, dann zunehmend abbauend und letztlich fatal unkonzentriert liegt Blau-Weiß damit nun also vollkommen unnötigerweise hinten und setzt sich eine große Aufgabe für Durchgang zwei. Glaube und Wille werden beim Pausenwasser beschworen, es geht raus aus den Kabinen und dann wird die Mission Podestplatzverteidigung noch schwieriger. Der FSV wie im falschen Film, vermasselt mal wieder den Start in die zweite Hälfte. 49. Minute, kein Zugriff auf dem linken Flügel, von wo Torgau den Ball einfach per Giecke in die Mitte donnert, Justus Keller schlägt ein herausragend desaströses Luftloch und Steve Hache schiebt zum 1:3 ein. Unwirkliche Szenen, der Resi Abschied mittlerweile auf die komplett falsche Spur abgebogen.

Das kann und will Freiberg nicht akzeptieren, rüttelt sein Team lautstark wach und zieht die hängenden Köpfe wieder hoch. Die Hubertusburger werfen alles rein, finden Herz und Moral und verarbeiten den Schock in wohltuendster Selbsttherapie. 55 Zeigerumdrehungen sind durch, mit viel Tempo geht es über Wermsdorfs rechte Bahn und die Hereingabe springt einem Hartenfelser Verteidiger an die Hand – Strafstoß, Anschlusschance, Resi-time. Der scheidende blau-weiße Leuchtturm übernimmt die Verantwortung, kennt Druck nicht und verwandelt souverän ins rechte Eck zum 2:3.

Der vielzitierte psychologisch wichtige Zeitpunkt ist gefunden, Glaube als Schlüssel für die Gastgeber. Unfassbar dabei, wie blind die Kupferlinge einfach sind und wie sehr sich dadurch immer wieder selbst im Weg stehen. In der 64. Spielminute setzt sich Arendt im Laufduell durch und legt im richtigen Moment quer auf Linksaußen Jakob Jülich, der schafft es aber irgendwie noch zwischen den eigentlich verwaisten Torgauer Torstangen einen Verteidiger zu finden, den er weil es so schön ist gleich zweimal anschießt und damit schließlich auch Florian Böttger die Chance bietet die Ausgleichsmöglichkeit zu vereiteln, natürlich passt nun auch bei der blau-weißen Nummer 10 der Abschluss nicht, der Rest ist Kopfschütteln. Verzweiflung könnte sich anbahnen, aber die FSV’ler machen einfach munter weiter. Gut, dass die Anlaufkinder noch da sind und die Bälle hinterm Hartenfelser Tor immer zeitnah wieder einsammeln können. Auf der anderen Seite versuchen sich die Gäste im Konterspiel, Benjamin Schönitz ist präsent und lässt von hinten raus keinen Zweifel aufkommen das Wermsdorf auf Alles oder Nichts spielt. 75. Minute, die Schlussphase ist eingeläutet, Dodo Arendt findet endlich das Glück des Tüchtigen. Der Stürmer bricht in den Strafraum durch, verliert im Zweikampf die Balance und geht zu Boden. Torgau zurecht aufgebracht, der Elfmeterpfiff äußerst strittig und glücklich für den Gastgeber. Selbstredend, dass das Resi Freiberg wenig tangiert, der die Geschichte seines Abschieds nun wirklich entscheidend in den eigenen Händen, besser gesagt am linken Fuß hat. Wieder keine Nerven beim 5er, wieder in die rechte Ecke und jetzt ist die Sachsendorfer Straße mal kurz ein Tollhaus.

Blau-Weiß meldet sich also wieder zurück, kommt zum verdienten Ausgleich und will nun den Heimsieg. Die Uhr tickt und hat noch vier Minuten in der regulären Spielzeit zu gehen, die Gastgeber laufen Torgau hoch an, die keine Antwort mehr wissen. Haupe Körner erobert den Ball, sieht wie sich die Hartenfelser Viererkette durch falsche Spekulation auf einen Querpass in Luft auflöst und steht plötzlich alleine vor Nowack, behält die Übersicht und legt quer auf den mitgeeilten Arendt, der zum 4:3 einschieben kann.

Die letzten Minuten und verzweifelten hohen Bälle der Gäste verteidigen die Kupferlinge, Beckedahl qualmt der Schädel vom vielen Kopfhinhalten und dann ist tatsächlich Schluss.
Ein verrücktes Spiel, in dem rund 100 Zuschauer vollkommen auf ihre Kosten kommen. Ein großartiger Abschluss für einen großartigen Spieler, der sich besser nicht hätte verabschieden können. Die Hubertusburger lassen die Wiederholung des Vorjahrestriumphzuges auf Platz 3 der Nordsachsenliga damit einen Spieltag vor Schluss äußerst konkret werden und dürfen kommenden Samstag voller Feiervorfreude zu den Sportfreunden nach Beilrode fahren. Die Gurkentruppe beweist es allen Kritikern und zeigt, was Wille und Teamgeist ausrichten können und das es sich lohnt immer an die eigene Chance zu glauben.

Schiedsrichter: Christian Döring

Zuschauer: 100

Aufstellung: Schönitz, Weidner, Beckedahl, Staude, Keller (Köppe), Freiberg (Eckert), Springer, Körner, Jülich, Arendt, Böttger

Justus Keller/Bilder René Wegner