9 Tore - was für ein Derby!

SV Mügeln/Ablaß 09 - FSV Blau-Weiß Wermsdorf 5:4 (0:1)  Statistik/Galerie Power-Ranking

Am vergangenen Samstag war es wieder soweit – Derbytime in Mügeln. Der Tabellenvierte lud den Dritten, Spannung quasi vorprogrammiert. Dabei musste Blau-Weiß Trainer Dierk Kupfer im Topspiel des 15. Spieltags abermals einige Umbaumaßnahmen vornehmen. Sebastian Hanisch ersetzte Philipp Springer, der nach Innenbandriss mehrere Wochen ausfallen wird, auf der linken Außenbahn. Florian Böttger kehrte für den gesperrten Justus Keller auf der 10 zurück in die Startelf genau wie der grade noch rechtzeitig fit gewordene Sebastian Freiberg. Rotation aus diversen, vor allem bedauerlicherweise verletzungsbedingten Gründen, für die Hubertusburger in dieser Spielzeit nichts neues, die Gäste ohne viel Anlauf Zeit direkt drin in der Partie.

Stürmer Robby Staude verlangt Arne Schütze im Mügelner Tor nach 7 gespielten Minuten alles ab. Der kann den brandgefährlichen Versuch gerade noch entschärfen, klärt zur Ecke. Die segelt wiederrum gefährlich an den Sechszehner, doch Sebastian Körner verzieht per Kopf. Auf der anderen Seite prallt Florian Naumann bei der ersten blassen Offensivaktion der Gastgeber unglücklich mit seinem Mitspieler zusammen und muss mit Nasenbeinbruch runter – Gute Besserung an dieser Stelle.

Die Hubertusburger gewillt, die dadurch nun auch in der Mügelner Defensive nötigen Umstellungen auszunutzen, spielen munter nach vorne. Quadratschädel Pascal Weidner macht seinem Namen leider alle Ehre, köpft freistehend am Schütze Tor vorbei.

Wermsdorf hadert mit der Chancenverwertung und erstmals auch mit Schiedsrichter Hartländer als Sebastian Hanisch im Strafraum von den Beinen geholt wird und die Pfeife stumm bleibt. Nichts desto trotz anhaltender Druck in Blau-Weiß.

25. Minuten haben die Obstländer überstanden, da wird Florian Böttger am Strafraum freigespielt, Blick nach oben, Zwischending aus Flanke und Lupfer und das Spielgerät segelt unhaltbar ins lange Eck. Die FSV’ler auf dem emotionalen Hoch. Die erste blau-weiße Führung in Mügeln seit 2013, damals Dierk Kupfer als Kapitän auf dem Grün.

Sebastian Körner kickte da noch in der C-Jugend, schickt nun aber Pascal Weidner auf die Reise, der auf und davon ist, der Jubelschrei auf den Lippen der Hubertusburger und der Ball kracht nur an die Latte. Die Gäste spielen Offensiv bockstark auf, lassen der Heimelf keine Zeit um Luft zu holen. Einzig die Chancenverwertung bleibt fahrlässig, geradezu verschwenderisch verballern die Kupferlinge den verdienten höheren Vorsprung.

Nach einer halben Stunde fällt das runde Leder Sebastian Freiberg am Fünfmeterraum vor die Füße, Volleyabnahme mit dem starken Linken und das Spielgerät fällt erst hinter der Umgehungsstraße wieder zu Boden.

Die letzte Großchance einer ganzen Palette an blau-weißen Möglichkeiten im ersten Durchgang bleibt also ebenfalls ungenutzt und so geht es bei viel zu knapper Führung in die Pause. Für den zweiten Durchgang gibt es eigentlich nicht viel zu ändern, die Abschlüsse müssen nur sitzen. Doch eigentlich ist bekanntlich ein Lügenwort. Im zweiten Durchgang fällt dem FSV die fahrlässige Torauslassung abermals in dieser Spielzeit auf die Füße.

Die Partie läuft keine fünf Minuten seit Wiederbeginn, da reiben sich die Zuschauer verwundert die Augen. Mit den ersten beiden nennenswerten Abschlüssen ihres Spiels stellen die Obstländer innerhalb weniger Zeigerumdrehungen auf 1:2, Dechert und Ziegler bestrafen die Wermsdorfer eiskalt. Die müssen sich jetzt kräftig schütteln. Kapitän Schönitz beraumt ein Spontantreffen auf dem Platz an. Während die Gastgeber noch im „Wie ging das denn jetzt?“ Jubelsturm unterwegs sind rüttelt die Nummer Eins die Vorderleute mal so ordentlich wach, holt seine Truppe zurück aufs rutschige Grün-Braun. Die strafft sich und kennt nur eine Richtung. Auf das Schütze Tor rauschen blau-weiße Angriffswellen zu, doch egal ob Böttger, Staude oder Körner allesamt scheitern an Mügelns heutigem Fels in der Brandung. In der 58. Minute kommt es noch dicker für die Gäste. Eckball für den FSV nun scheint auch Schütze geschlagen. Auf der Linie aber steht Pascal Weidner, kann nicht mehr reagieren und wird angeschossen, verhindert in bitterster Manier den Ausgleich, leitetet zu allem Überfluss aber noch einen Gegenangriff ein. Dem haben seine Hinterleute nichts mehr entgegenzusetzten, Ziegler sagt Danke und stellt auf 3:1.

Fassungslosigkeit in Blau-Weiß. Das Drama hat seinen Lauf genommen, ist allerdings noch lange nicht am Höhepunkt angekommen. Die Hubertusburger entsetzt bis wütend. Den Anstoß bekommt der Kontrahent umgehend zurück und endlich auch mal das Ding um die Ohren geschossen. Weidner bedient Staude, der legt ab für Hanisch und der holt den Ball so schnell er ihn in die Maschen jagte auch gleich wieder raus, gibt die postwendende Antwort.

Atemberaubend geht es weiter, man kommt kaum noch hinter her. Nur wenige Augenblicke später ist wieder Weidner durchgebrochen, Bodenwelle im Rasen und die Murmel verspringt leicht, klatscht abermals nur ans Aluminium, tropft von dort aber ab zum mitgeeilten Robby Staude. Die halbe Auswechselbank schon auf dem Feld, ganz Mügeln stockt der Atem. Doch das Spielgerät tippt erneut krumm auf, alles in Blau-Weiß versucht das Ei reingezuschreien, allen voran Staude der sich verbiegt bis zum Äquator, erfolglos. Mügeln kann in letzter Sekunde klären.

Eine Stunde ist nun rum, die Ereignisse kommen aberwitzig daher. Das Momentum wieder klar auf Seiten des FSV. 63. Minute: Flori Böttger setzt den auf Höhe der Mittellinie startenden Weidner in Szene, der mit Siebenmeilenstiefeln Richtung Tor pflügt, verzögert und sucht nach mitgelaufenen blauen Hosen, doch der Strafraum ist verwaist. Also selber machen, das Spielgerät auf links gelegt und Abschluss ins lange Eck. Schütze streckt sich vergeblich, Weidner dreht ab und die Wermsdorfer Jubeltraube versinkt in purere Ekstase. 3:3, der Wahnsinn hat einen Namen – Derby, kennt aber keine Grenzen.

Für die Hubertusburger sieht es aus wie das nächste blau-weiße Wunder. Robby Staude ist wiederrum nur Bruchteile nach dem Ausgleich frei durch und bleibt erneut nur zweiter Sieger im Privatduell mit Schütze im gegnerischen Gehäuse.

Die Gäste erleben nun ihr blaues Wunder. Freistoß der Platzbesitzer in der 76. Spielminute. An Freund und Feind vorbei trudelt das Streitobjekt durch den Sechszehner und wird immer länger. Keiner in der Wermsdorfer Hintermannschaft fühlt sich verantwortlich, die Obstländer sind wieder zur Stelle und drehen dieses verrückte Fußballspiel abermals Kopf. Die Hubertusburger Moralmonster haben die Antwort auf dem Fuß parat. 77 Zeigerumdrehungen sind gemacht, Sebastian Körner sucht den Abschluss, den der grün-schwarze Abwehrspieler nur noch mit der Hand blocken kann. Wo bleibt der Pfiff? Der fällt wenige Augenblicke später, Hartländer zeigt auf den Punkt. Anstoß für Wermsdorf.

Heftigsten Protesten zum Trotz war die Pfeife des Unparteiischen erneut stumm geblieben. Das gibt den Gastgebern abermals die Möglichkeit zum schnellen Gegenstoß. Während der FSV reklamiert und Haare rauft schnappt Mügeln zu und besorgt das 5:3. Das Spektakel ist auf die Spitze getrieben. Die Hubertusburger wollen sich ihrem Schicksal nicht ergeben und zücken die letzten Reserven, klappen das Visier komplett auf. In der Nachspielzeit gibt Denny Beckedahls Freistoßtreffer tatsächlich nochmal Hoffnung.

Doch der SVMA spielt die Uhr runter. Zwei letzte Abschlüsse, die Kräfte sind selbst den größten blau-weißen Kämpfern ausgegangen und dann war’s das.
Nach 90 Minuten erstmal Durchpusten. Ein denkwürdiges Spiel liegt hinter allen Protagonisten, jeder Zuschauer darf sich ob dieses Spektakels glücklich schätzen, wenngleich es den Wermsdorfern schwerer fallen wird.

Im Aufeinandertreffen mit Alterungsfaktor +30 Jahre bleiben die Hubertusburger glücklos, belohnen sich einfach nicht für ein offensives Feuerwerk. Mit dem Schiedsrichter hadern nützt nichts, die Möglichkeiten waren auch so da und wurden einfach zu fahrlässig vergeben. So bleibt am Ende nichts übrig aus der Wille zur Wiedergutmachung. Die Kupferlinge müssen die Obstländer vorbeiziehen lassen und nun in den kommenden Spielen Reaktion zeigen. Mügeln/Ablaß holt sich also einen unterm Strich aufgrund von Cleverness und Effektivität gerechtfertigten Sieg in diesem Derby.

Bemerkenswerte Notiz am Rande bleibt, dass das Geschehen trotz aller Rivalität und Intensität nicht übermäßig unfair geführt wurde und entgegen anderen Derbys der Region nach dem Abpfiff in teilweise freundschaftlicher Eintracht bei dem ein oder anderen Erfrischungsgetränk der Puls wieder gesenkt wurde.

Schiedsrichter: Ronny Hartländer

Zuschauer: 166 (Danke an unsere vielen Hubertusburger Unterstützer vor Ort!)

Wermsdorf: Schönitz, Beckedahl, Siebert, D. Weidner, Eckert, Hanisch (Rademacher), Freiberg, Böttger, S. Körner, P. Weidner, Staude

Justus Keller/Bilder AK