Unser Halbjahresrückblick von Justus Keller

Nach dem Wermsdorfer Höhenflug der vergangenen Saison, welcher die Hubertusburger auf einen überragenden dritten Platz der Nordsachsenliga spülte, hieß es für die Verantwortlichen an der Sachsendorfer Straße im Sommer mit Hinsicht auf die anstehende Runde 18/19 kleine Brötchen zu backen, zwar mit Selbstvertrauen aber gleichzeitig auch einer gehörigen Portion Demut in die neue Spielzeit zu gehen. Außenstehende Stimmen erhoben sich schnell kritisch und sprachen den Mannen um das Trainerduo Dierk Kupfer/Ralph Horbas die Qualität einer Wiederholung des Erfolgs ab. Nicht zu selten wurde der blau-weiße Altkreismeistertitel von Skeptikern im Umland als Glück tituliert.

13 Spiele später steht fest – abermals in der Kupfer-Ära sollten die Blau-Weißen allen Kritikern zum Trotz und entgegen jeglicher sich bietender Widrigkeiten standhaft bleiben und damit ein nächstes Mal überraschen. So überwintert der FSV mit 21 erzielten Punkten bei 23 eigenen und 22 gefangen Treffern auf dem vierten Tabellenplatz der Kreisoberliga. Die bisher in der Summe so gelungenen Auftritte kommen dabei keinesfalls zufällig daher. Mit großem Eifer und hartem Einsatz ackerten sie an der Sachsendorfer Straße in der Saisonvorbereitung kräftig um sich die nötige Fitness zu holen. In insgesamt sieben Testspielen konnte zudem Matchpraxis gewonnen werden und das ein oder andere ausprobiert.

Der Ligaauftakt hielt für die Wermsdorfer ein schweres Auswärtsspiel beim Vorjahresfünften in Zwochau bereit, wo nach einer mannschaftlich geschlossen leidenschaftlichen Leistung verdient drei Punkte mitgenommen werden konnten. Die folgenden zwei Wochen standen vollkommen im Zeichen der Derbys. Zunächst empfing man zum ersten Heimspiel die Obstländer aus Mügeln und Ablaß. Ein gebrauchter Tag für Blau-Weiß, die keine richtige Spannung fanden und sich mit 1:2 geschlagen geben mussten.

Zu allem Überfluss erhielt das blau-weiße Lazarett (geneigte Leser wissen um die teils gute Auslastung der Verletztenliste der Wermsdorfer in der Vorsaison und sollen auch nun wieder auf ihre Kosten kommen) prominenten Zugang. Zum seit Saisonbeginn schmerzlich vermissten Libero Denny Beckedahl gesellt sich Stürmer Pascal Weidner, Lückenreißer und Arbeiter in vorderster Front, der sich mit Leistenproblemen bis Winter abmelden muss. Seinen Mannschaftskollegen bot sich währenddessen nur sieben Tage später bereits die große Chance zur Wiedergutmachung in Dahlen. Gegen die Sackhüpfer aus dem Heideland zeigten die Hubertusburger alles, was sie in der Vorwoche hatten vermissen lassen. Mit breiter Brust und großem Herz gepaart mit spielerischer Klasse wurde der Derbysieg eingetütet.

Viel Wind in den Segeln, so folgte ein ungefährdeter Heimsieg über Aufsteiger Naundorf.

Erste Andeutungen einer Flaute dann in Krostitz, als gegen die Zweitvertretung der Bierbrauer mit verschwendeten Tormöglichkeiten nur so um sich geworfen wurde und bei einem 2:2 Unentschieden letztlich zwei Punkte verloren gingen.

Mittlerweile war der Oktober angebrochen und er sollte weder ein blau-weißer noch ein aus Hubertusburger Sicht goldener werden. Zuhause setzte es nach katastrophalem Auftritt eine 0:3 Klatsche gegen Bad Düben.

Diesmal misslang die Wiedergutmachung gründlich, hochkant wurde der FSV in Mörtitz vom Außenseiter aus dem Pokal geworfen. Außerdem verlor man mit Mittelfeldmotor Benjamin Münch den nächsten Stammspieler auf unabsehbare Zeit verletzt, dazu kommt Devensivmann Tom Köppe, der seit dem 7. Spieltag an einer Schienenbeinverletzung laboriert.  Eine Tracht Prügel und Rocky (Wedehase)-Horrorshow beim nächsten Ligaspiel in Süptitz vor Halloween. Nach grusligen Abwehrfehlern hagelte es ein saftiges 5:0. Nicht mit dabei Robby Staude, der sich an der Hand verletzte und gut einen Monat fehlte.

Klingt alles wenig berauschend und das war es zu diesem Zeitpunkt auch nicht. Doch es gehört zur vielleicht entscheidenden Qualität dieser Wermsdorfer Mannschaft sich nicht aufzugeben und vor allem dank großem Teamgeist auch in den schweren Momenten zusammenzustehen. So brach an der Sachsendorfer Straße in diesen heiklen Tagen nichts auseinander, wuchs im Gegenteil noch enger zusammen. Alles wofür Blau-Weiß steht, warfen sie gegen den starken Aufsteiger in Zschortau rein und fanden nach beherztem Auftritt auch gegen letztlich 14 Gegner den Weg zurück zum Erfolg. Mit drei Punkten im Gepäck blickte man am Fuß der Hubertusburg nun dem Duell mit dem in zuvor acht Spielen stets siegreichen Tabellenführer aus Delitzsch entgegen. Irgendwie gehen dann doch so langsam die Adjektive und Umschreibungen aus. Jedenfalls gelingt dem FSV abermals eine Sensation auf heimischen Geläuf. Mit letzter Entschlossenheit, allerhand Leidenschaft und allem voran als eine Mannschaft kann der haushohe Favorit mit 3:2 auf die Heimreise geschickt werden.

Der Sieg wird allerdings teuer bezahlt, Nico Lippert reißt sich das Kreuzband und fällt für unbestimmte Zeit aus. Mittlerweile zurück als blau-weißer Libero ist hingegen Denny Beckedahl, der seinen Vorderleuten wieder Stabilität verleiht. Außerdem weitere positive Trends in der Kupfermannschaft: Dominic Arendt feiert in Vertretung von Weidner sein Coming Out als Goalgetter, während dahinter Sebastian Körner und Justus Keller in Abwesenheit von Münch mehr Verantwortung übernehmen und Maik Eckert mit all seiner Erfahrung Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Zwischen den Pfosten Kapitän Benjamin Schönitz, der immer leidenschaftlich vorangeht und stets mit Glanzparaden zur Stelle, ist wenn es heikel wird.

Das neu gewonnene Selbstvertrauen trägt die Kupferlinge weiter. Gegen den Landesklasse Absteiger aus Schildau kann auswärts mit ordentlich Personalmangel ein Punkt mitgenommen werden, ehe an der Sachsendorfer Straße Schenkenberg 3:0 geschlagen wird und man schließlich auch im Hartenfels-Stadion bei Torgau ein Unentschieden erkämpft.

Zum Abschluss der Hinrunde empfangen die Kupferlinge schließlich den FSV aus Beilrode, gegen den ein alles andere als versöhnlicher Jahresabschluss rausspringt. Ein klägliches 1:2 reißt das gute blau-weiße Bild der letzten Wochen ein stückweit ein, vermasselt zudem den Sprung auf Platz drei der Tabelle. Dieses Ergebnis trübt die Bilanz der Wermsdorfer Hinrunde natürlich, ändert in letzter Konsequenz dennoch nichts daran, dass ein positives Fazit gezogen werden kann. Fußball ist ein Ergebnissport, deshalb zunächst der Blick auf die Tabelle: In einer abermals im Mittelfeld engen Nordsachenliga führen die Hubertusburger das Verfolgerfeld auf den Bronzeplatz an und sind in Schlagdistanz zum dort platzierten Rivalen aus Mügeln. Auf Konkurrent aus Dahlen beträgt der Vorsprung bereits komfortable 17 Punkte, die man in der Rückrunde versuchen wird auszubauen.

Die Manschaft: Trainer Kupfer hat es endgültig geschafft seine jungen Spieler in voller Breite zu integrieren. Abgesehen vom verletzten Pascal Weidner, der ab Februar wieder angreifen wird, gehören die U-23er zum festen Stamm des Teams. Davon zeugt, dass Sebastian Körner (18) und der zweite Weidner Zwilling Dominik (21) alle 13 Spiele in der Startelf standen. Keine Minute verpasste Urgestein und Kapitän Benjamin Schönitz im Tor. Gefolgt werden die Dauerbrenner von Arendt, Keller und Florian Böttger mit jeweils 12 Einsätzen.

Eine Stärke des FSV liegt zudem in der guten Verteilung der Scorerpunkte begründet. So teilen sich wiederrum Arendt, Keller und Böttger mit jeweils 5 Treffern den Titel des mannschaftsinternen besten Torjägers. Weiter für die Bandbreite der Wermsdorfer Gefährlichkeit spricht, dass Sebastian Körner mit 4 Treffern auf das Trio folgt und seinerseits mit bereits 6 Assists den besten Vorlagengeber der Mannschaft stellt. Hierbei nun vor Arendt mit 5 und Böttger mit 4 Vorlagen.  Es ist die Harmonie zwischen erfahrenen und jüngeren Spielern, deren gegenseitiger Zusammenhalt und ein voneinander profitieren angeleitet von einem vorangehenden Trainer, die den blau-weißen Erfolg bedingen.

Außerdem und das ganz entscheidend - die Fans: Eine in der Liga einzigartige Unterstützungen trägt die Kupferlinge dabei von Woche zu Woche, egal ob daheim oder in der Fremde. Ohne das fußballbegeisterte Umfeld an der Sachsendorfer wäre vieles nicht möglich – sei es ein Auswärtskampferfolg in Zschortau, die Sensation über Delitzsch oder aber auch abseits des Rasens die Organisation eines grandiosen 90-Jahrjubiläums oder einer nicht weniger flüssigen Weihnachtsfeier. Mit 106 Zuschauern erfahren die Hubertusburger neben Süptitz den höchsten Zuspruch der Liga. Den Spitzenwert stellt mit 240 Beiwohnern das Derby gegen Mügeln dar.

Jetzt heißt es für Blau-Weiß also neue Kräfte tanken, ein wenig Budenzauber genießen und dann abermals in harte Trainingsarbeit fit zu werden um gewappnet zu sein für die nächsten Sensationen in Blau-Weiß. Entgegen allen Zweiflern, Kritikern und Widrigkeiten - hin zur nächsten Altkreismeisterfeier.

Justus Keller/Bilder AK und René Wegner