Achtbarer Auftritt in Torgau - Benni kann nur per Witzelfmeter überwunden werden

SC Hartenfels Torgau - FSV Blau-Weiß Wermsdorf 1:1 (0:0)  Statistik

Am 12. Spieltag der Nordsachsenliga gastierten die Hubertusburger im Hartenfels Stadion in Torgau. Die Wermsdorfer, momentan auf Platz vier der Tabelle angesiedelt, gaben die Devise aus hier Zählbares mitzunehmen um den vier Punkte Vorsprung den man in der Liga auf den SC hat mindestens wahren zu können. Trainer Dierk Kupfer vertraute dabei auf die selbe Startelf wie beim Sieg über Schenkenberg in der Vorwoche. Sehen sollte er einen guten Start seiner Schützlinge in die Partie. Blau-Weiß sofort hellwach und auch in der Fremde präsent. Hinten gut und dicht gestaffelt, mit schnellen Gegenstößen nach vorne. So erzwungen die Mannen um die früh pressenden Stürmer Arendt und Böttger früh erste Fehler im Torgauer Spielaufbau und wurden ihrerseits gefährlich. Nach wenigen Minuten konnte Justus Keller auf außen durchbrechen und flankte auf den einlaufenden Sebastian Körner, dessen Kopfball allerdings nicht mit dem guten Laufweg mithalten konnte und über das Tor segelte. Wenige Augenblicke später bot sich erneut Körner die Einschusschance, doch diesmal verzog der Linksaußen am Pfosten vorbei. Die Kupferlinge von dieser Doppelmöglichkeit angestachelt weiter mit Oberwasser, blieben dran und hätten sich nur belohnen müssen.

Die dickste Gelegenheit hierfür hatte Keller in der 14. Spielminute, als Torgaus Schlussmann Krost wegrutschte und dem 15er das Spielgerät unverhofft vor die Flinte legte, die allerdings noch nicht richtig ausgerichtet zu sein schien, wodurch das Ei letztlich über das verwaiste Tor segelte. Die blau-weiße Druckphase verlief sich in der Folge und die Gastgeber brachten mehr Kontrolle ins eigene Spiel. Das Wermsdorfer Pressing griff nun zu selten, die Abstände zwischen den Abwehrreihen stimmten nicht. So kam der SC zu Abschlüssen, die allerdings allesamt im weiten Auslauf hinter den Torstangen oder den Armen von Benjamin Schönitz landeten. Der rückte weiter in den Fokus, als seine Mannen Mitte des ersten Durchgangs kurz eine Verschnaufpause nahmen. Ein eigener Einwurf landete in den Füßen der Gegner und plötzlich war Steve Hache frei durch. Nicht wenige Zuschauer im Hartenfels Stadion sahen den Toptorjäger der Liga schon zum Jubeln abdrehen, doch stattdessen reckte Schönitz entschlossen die Faust gen Himmel und parierte dieses Eins gegen Eins. Wachgerüttelt von ihrem Kapitän fingen sich nun auch alle übrigen Hubertusburger wieder, bekamen die Löcher zunehmend besser gestopft und ließen bis zum Pausenpfiff nichts mehr anbrennen. Trainer Kupfer nutzte die Halbzeit um an den Kampfgeist seiner Jungs und die blau-weiße Leidenschaft zu appellieren auch in den zweiten 45 Minuten alles in die Waagschale zu werfen. Sein Pendant Jens Dehnert bekam indes eine Kabine weiter, gut hörbar für alle die gerade nicht mit schreien beschäftigt waren, einen kleinen Anfall von Arroganz. Irgendwie schien der Mann ein anderes Spiel zu sehen, eine andere Tabelle zu lesen und ein gewisses 4:2 von vor der Sommerpause vergessen zu haben. Sei es drum, die Dorftruppe von der „Hu-Hu-Hubertusburger“ hatte ja nochmal eine Halbzeit um „Holz zu hacken“. Baumfäller wären auch tatsächlich von Nöten gewesen, brachte Torgau nun mit drei Wechseln bis zur 70. Minute weitere baumlange Kerle auf den Platz und hatte offenbar Beschlossen die Brechstange rauszuholen, schlug alles hoch in den Strafraum wo Wermsdorf langsam die Leuchttürmer ausgingen. So musste allen voran Maik Eckert, der Kopfballduellen sonst dezent aus dem Weg geht, immer wieder ran gegen ihn größenmäßig dann doch weit überragende Gegenspieler. Ecki und seine Farben erwehrten sich dieser Übermacht aber nach Leibeskräften und warfen sich in jeden Ball. Die Platzbesitzer hatten trotzdem ab der 50. Spielminute ihre beste Phase des Spiels und hätten, ähnlich den blau-weißen zu Beginn des ersten Durchgangs in Führung gehen können. Mit etwas Zutun des Glücks des Tüchtigen bei zwei Alu-Treffern, ansonsten aber vor allem ganz viel Benjamin Schönitz im Tor, der ein ums andere Mal herausragend hielt, überstanden die Gäste diese heiklen Minuten. Auf der anderen Seite Entlastung durch weite Bälle und schnelle Konter. Ein solcher führte in der 70. Spielminute zu einem Eckball, nach welchem Sebastian Freiberg per Kopf das Tor nur um wenige Zentimeter verfehlte. 78 Zeigerumdrehungen waren getan, da sieht Philipp Springer vom eigenen Strafraum aus Dominic Arendt starten und schickt den Stürmer auf die Reise. Die Nummer 7 ist per Expresszug unterwegs und überläuft sie alle, hat nur noch Krost vor sich, der dem Pfeil nichts entgegenzusetzen hat und den Ball alsbald aus dem Netz fischen darf. Währenddessen dreht Arendt jubelnd ab, lässt nun weiter im Sprintmodus auch alle Mitspieler hinter sich und rutscht kurz darauf Trainer Kupfer entgegen, um sogleich unter einer blau-weißen Jubeltraube begraben zu werden. So schön kann „nur den Ball vorkloppen“ sein. Wermsdorf schwebt über den Dingen und schielt bereits auf eine mehr als ausgelassen Sause auf der anschließenden vereinsinternen Weihnachtsfeier, da spielt Schiedsrichter Ronny Hartung auch schon den Grinch. Einer dieser Brechstangen Bälle aus der Torgauer Hintermannschaft segelt über Freund und Feind und wird schließlich von der Brust von Freiberg geblockt ehe Schönitz sicher zugreifen kann. So weit, so normal, alles orientiert sich gen folgendem Abschlag. Doch an der Seitenlinie, unweit von Dehnert der sein Glück kaum fassen kann wedelt auf einmal eine Fahne. Die vorzeitige Bescherung für die Gastgeber macht Hartung perfekt, als er nach Rücksprache tatsächlich auf den Punkt zeigt und Hache, der aus dem Spiel heraus an Schönitz verzweifelt ist nun Danke sagen kann und auf 1:1 stellt. Die Ohrfeige hat gesessen, Sprachlosigkeit in blau-weiß. Unfassbarer Höhenflug, doch der Kater war doch eigentlich erst für den Morgen nach der Weihnachtsfeier vorgesehen. Hier und da kracht es noch kurz, dann ist Schluss im Hartenfels Stadion.
Was für Wermsdorf unterm Strich bleibt ist ein Punktgewinn in Torgau, der diese somit weiter auf vier Punkten Abstand hält. Zum neuen Selbstverständnis der Hubertusburger gehört aber eben auch, sich über den dann doch ärgerlichen Spielverlauf der letzten Minuten zu ärgern und nicht zufrieden zu sein damit, den großen Namen als Dorftruppe nicht „umgeholzt“ zu haben. So gibt es den Hubertusburger Schlachtruf eben erst wieder im Rückspiel an der Sachsendorfer Straße zu hören, Herr Dehnert.

Schiedsrichter: Ronny Hartung

Zuschauer: 80

Aufstellung: Schönitz, D.Weidner, Beckedahl, Siebert, Freiberg, Eckert, Körner, Keller, Springer, Arendt (Staude), Böttger

 

Justus Keller