Was für ein Spiel! Verdienter Heimsieg der Hubertusburger gegen den bisher verlustpunktfreien Tabellenführer!

FSV Blau-Weiß Wermsdorf - ESV Delitzsch 3:2 (1:0) Statistik/Galerie

Am Samstag empfingen die Hubertusburger den Tabellenführer aus Delitzsch. Der Ligaprimus, bisher mit der optimalen Ausbeute von acht Siegen aus acht Spielen, gegen die Blau-Weißen natürlich haushoher Favorit. Die Gastgeber hatten ihrerseits in der Vorwoche zur eigenen kämpferischen Stärke zurückgefunden und wollten diese auch heute wieder auf den Platz kriegen. Außerdem erinnert man sich am Fuße der Hubertusburg noch allzu gern an den letzten Auftritt eines übermächtigen Tabellenführers auf dem Wermsdorfer Grün. In Gedanken an ein furioses 4:2 gegen Radefeld schickten sich die Blau-Weißen an die nächste Sensation zu generieren. Die Sachsendorfer Straße sollte einen denkwürdigen Fußballnachtmittag erleben. Und damit rein ins Geschehen.

Zunächst ein Abtasten beider Teams. Der ESV aus Delitzsch versucht einen geordneten Aufbau von hinten raus, die Hubertusburger von Beginn an nah am Mann und stets als Spielverderber, lassen den Gästen wenig Raum zur Entfaltung und zum Spaß entwickeln. Um Libero Denny Beckedahl bilden sich geschlossene blau-weiße Kampfreihen, die nach anfänglicher Zurückhaltung früh erkennen, dass hier einiges geht.

So kommen die Platzbesitzer nach wenigen Minuten zur ersten Abschlusschance. Der FSV ist hellwach und voll da, spielt mit breiter Brust und versteckt sich keinesfalls vor Statistiken, Namen oder düsteren Vorhersagen. Trainer Dierk Kupfer scheint die richtigen Worte gefunden zu haben, seine Mannen spielen überzeugend und übernehmen ab der 15. Minuten Grenze das Heft des Handelns. Mit viel Tempo und Durchschlagskraft kommen die Wermsdorfer immer wieder gefährlich im Delitzscher Strafraum auf. Stürmer Dominic Arendt bietet sich in der 19. Minute die bisher beste Chance als er einen Schnittstellenpass erläuft, dann aber am Gästetorwart hängen bleibt.

Der ESV reagiert mit einigen halbgaren Schüssen aus der zweiten Reihe, über die Schlussmann und Kapitän Benjamin Schönitz nur müde lächeln konnte. Delitzsch muss sich hier vorkommen wie im falschen Film. Die letzte Begegnung der Kreisstädter mit einem Team aus der Collmregion, dem mit den Sackhüpfern aus Dahlen, endetet mit einem 8:0 Kantersieg. Die Hubertusburger machten hier deutlich, dass sie nicht angetreten waren, um sich vorführen zu lassen. Stattdessen werfen die Blau-Weißen alles rein, legen viel Leidenschaft und Einsatz an den Tag. Vor allem aber bespielen sie den Gegner auch überzeugend.

So hat Flori Böttger innerhalb kurzer Zeit zweimal die Führung auf dem Fuß, verzieht allerdings sowohl mit links als auch mit rechts. Nach einer knappen halben Stunde fällt das Spielgerät nach Gewühl im Strafraum Justus Keller auf den Kopf und streicht von dort hauchzart am Pfosten vorbei. Der FSV jetzt ganz nah dran sich auf die Anzeigetafel zu bringen, der Sensation Form zu geben. Einen Dämpfer setzt es in der 37. Spielminute. Bei einem Foulspiel verdreht sich Nico Lippert das Knie und muss mit Verdacht auf Bänderverletzung ausgewechselt werden.

Die Ausfallzeit der Nummer 3 könnte schmerzhaft lange werden, hoffen wir das Beste und gute Besserung! Seine Mitspieler jedenfalls legen für „Lippi“ nochmal eine Schippe drauf und dann bebt die Sachsendorfer Straße endlich. 42 Zeigerumdrehungen sind um. Flori Böttger verlängert an der Mittellinie per Kopf und der Ball rutscht durch auf den darauf spekulierenden Keller. Der macht dadurch die nötigen Meter gut, die ihm an Geschwindigkeit eigentlich fehlen. So stolpert der 15er gen Strafraum und kann schließlich einnetzten zur wohlverdienten Führung des Underdogs und zur kollektiven Ekstase der Hubertusburger.

Die haben die eigenen Glücksgefühle noch nicht wieder eingefangen, da trillert es zur Pause. Sammeln und Fokus neu setzen. Trainer Kupfer stellt ein auf Teil zwei der Schlacht. 45 Minuten Kampf zur Krönung einer bockstarken ersten blau-weißen Hälfte. Der zweite Spielabschnitt beginnt ähnlich des Ersten. Kurze Ruhephase und Einfinden beide Parteien ins Geschehen.

Delitzsch sieht sich gezwungen mit langen Bällen zu operieren, doch Wermsdorf lässt nicht am Ausgleich rumdoktern, drängt hingegen selbst auf den Führungsaufbau. Dodo Arendt, noch nicht vom Glück verfolgt, scheitert genauso wie Sebastian Körner am gegnerischen Torwart. Eine Stunde ist gespielt, da wird am Collm wieder ein kleines Erdbeben verzeichnet. Arendt schlägt die Ecke und wirft den Ball dabei auf die Stirn von Böttger, der herausragend ins Kreuzangel einköpft und in einer Jubeltraube begraben wird. 2:0, ein Ergebnis das die Kreisstädter aus Delitzsch so auch schon kennen gegen ein Team  der Collmregion, hatten sie doch nach Nichtantritt der 09er am grünen Tisch jenes Ergebnis zugesprochen bekommen.

Auf dem Wermsdorfer Grün stellen sich die Realitäten jedoch anders dar. Blau-Weiß fasste die Sensation nun ganz fest ins Visier – was allerdings nochmal verstellt wurde. In der 65. Minute bewahrheitete sich der alte Spruch, dass ein Stürmer im eignen Strafraum nichts verloren hat. Arendt verpasst eine Klärungsaktion und Delitzsch öppelt das Spielgerät über die Linie. Damit war der Favorit ohne großes eigenes Zutun wieder dran, zumindest auf dem Papier.

Auf der Wiese schüttelte sich Blau-Weiß einmal kräftig, brauchte kurz Rückhalt Schönitz und eine seiner Flugkünste, um sich dann zurückzumelden. Mit viel Mut und Leidenschaft beseelt, hielten die Hubertusburger gegen die hohen Bälle der Gäste. Die Leuchttürmer und Namensvettern Sebastian Freiberg und Körner standen in der Luft und so kämpften die FSV’ler gegen alles was kam. Dominic Arendt hatte seinerseits noch was gut zu machen. 79 Minuten waren um, da öffnet Körner mit einem absoluten Traumpass das Spiel und nun hat Arendt den Ball im richtigen Strafraum am Fuß, bleibt cool und schießt Blau-Weiß zum 3:1 und die Tür zum Triumph weit auf.

Die Uhr tickt runter, Wermsdorf hat die Chancen auf den finalen Stoß, verpasst aber das 4:1 und so bleibt es bis zuletzt spannend. Erst murmelt Delitzsch den Ball eine Minute vor Ladenschluss tatsächlich nochmal zum 3:2 ins Tor, dann fliegt Keller noch mit einer dämlichen Ampelkarte vom Platz und schließlich war es vollbracht. Die Sachsendorfer Straße erlebt ihre nächste Sensation.

Die Kupferlinge gewinnen nach einer ganz starken Vorstellung verdient über den Tabellenführer, der über 90. Minuten mehr mit Arroganz Anfällen als spielerischer Klasse glänzte. Blau-Weiß bringt die eigenen Stärken vollumfänglich aufs Feld und beschenkte sich und Geburtstagskind André Kamm (guter Geist an der Seitenlinie, während den Heimspielen vertraut mit musikalischer Ausgestaltung der Partien etc.) mit einem denkwürdigen Nachmittag.
In der kommenden Woche geht es zum nächsten Landesklasseabsteiger nach Schildau, gegen die Kupfer neben Rüpel Keller auf einige weitere Stammspieler wird verzichten müssen. Es wird also wieder ankommen auf den Hubertusburger Kampfgeist, der selten so erweckt und befeuert wirkte wie an jenem Samstag, dem 3.11. – die drei gab die Richtung für die blau-weiße Punkteausbeute vor.

Zuschauer: 92

Schiedsrichter: Matthias Sommer

Aufstellung: Schönitz, D. Weidner, Beckedahl, Lippert (Hanisch), Freiberg, Eckert, Körner, Keller, Springer, Arendt (Siebert), Böttger

Justus Keller /Bilder Pauline Kamm und René Wegner