Unsere 1. Männermannschaft - kleiner Rückblick auf 2018 von Justus Keller

Es ist der 16. Juni 2018, 16:33 als der letzte Pfiff der Saison 17/18 durch die Sachsendorfer Straße trillert. Simon Kleffner pfeift damit die beste Spielzeit in der Geschichte des FSV ab und gleichzeitig einen blau-weißen Feiermarathon an. Die Mannen um Trainer Dierk Kupfer beschenken sich und ihren Verein zum 90-jährigen Bestehen selbst und schließen eine historisch gute Runde mit Platz drei ab. Die Hubertusburger gehen damit den nächsten Schritt ihres einzigartigen Weges. Dieser begann vor zwei Jahren so:

Eigentlich sind die Blau-Weißen sicher abgestiegen, doch können sich durch den Rückzug des TSV Rackwitz am grünen Tisch in der Kreisoberliga halten. Der „Neuanfang“ wird intern ausgerufen, der gesamte Verein rückt zusammen. Trainer Kupfer übernimmt noch mehr Verantwortung und stellt sich schützend vor seine Jungs. Außerdem beginnt er damit junge, hungrige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in seine Reihe zu integrieren. Der Start in die Spielzeit 16/17 verläuft noch holprig, wieder müssen sie viel Kritik einstecken. Doch Niederlagen bringen voran und schwere Zeiten schaffen Teamgeist. Und so wächst da etwas zusammen am Fuße der Hubertusburg. Es hackt zwar hier und dort kräftig weiter, doch dem Abstiegskampf kann sich der FSV zur Erleichterung aller Beteiligten bald entziehen. Die Spielzeit wird auf einem unaufgeregten 8. Platz abgeschlossen. Die folgerichtige Frage vor einem Jahr – Ausreißer nach oben und Trugbild oder Resultat guter Arbeit und kontinuierlichem Fortschritts. Einschätzungen von außen im Sommer 2017 sind sich einig und bescheinigen ersteres: „Die werden es nicht wieder schaffen“. Andere Vereine, vor allem auch im näheren Umfeld der Blau-Weißen, um den Collm herum angesiedelt, geben selbstbewusste Ziele innerhalb der Top 5 der Liga aus, sprechen dem FSV ebenfalls einen Abstiegsplatz zu. Nach 24 Spielen, 2160 Minuten Aufopferung und Kampf für ihre Farben haben die Protagonisten auf dem Feld und die Trainer Kupfer/Horbas am Spielfeldrand allen Zweiflern und Gegnern eine klare Antwort geliefert. Was wie im Märchen anmutet, dass macht Blau-Weiß zur Realität. An selber Stelle wo vor zwei Jahren noch Tränen des Abstiegs kullerten, hängen sich die Hubertusburger an jenem eingangs erwähnten Samstag im Juni die Bronzemedaille der Nordsachsenliga um.

Der Weg als Ziel, zusammengefasst im Blick auf die vergangene Spielzeit, aber auch in der Vorausschau auf die kommende Runde. Zur Winterpause wurde an selber Stelle schon ein positives Fazit zur Hinrunde, damals abgeschlossen auf Platz 7 gezogen – ein Platz in den Top 3 der Liga vor einem halben Jahr trotzdem nicht ansatzweise für möglich gehalten. Doch schon beim Auftakt ins erste Halbjahr 2018 machen die Hubertusburger klar, was möglich sein kann. Gegen die Zweitvertretung aus Krostitz gelingt trotz über 70 Minuten Unterzahl nach großem Kampf und defensiver Disziplin der Mannschaft ein starker 3:0 Erfolg. Das Feuer weitertragen war das Ziel, wurde in den folgenden Wochen allerdings vom Kälte und Wintereinbruch in Deutschland verhindert. Erfreuliche Nachrichten kommen währenddessen aus dem blau-weißen Lazarett. Dieses hatte sich in der Hinrunde ordentlich gefüllt, lüftet sich aber allmählich wieder. So ist Nico Lippert schon in Krostitz wieder mit von der Partie, auch die Langzeitverletzten Hanisch und Weidner machen individuell weitere Fortschritte. Nach über einem zusätzlichen spielfreien Monat konnte der Ball im April endlich wieder rollen. Schwer einzuschätzen wo man nun stand, spielerische Routine fehlte schlichtweg. Anders ging es den Schenkenbergern auch nicht, wodurch es letztlich bei einer 2:2 Punkteteilung bleibt.

Keinesfalls als Ausrede oder Erklärung dient der lange Ausfall jedoch für das Geschehen gegen Doberschütz-Mockrehna, die am Ende der Saison absteigen sollten. Nach einer grandiosen ersten Hälfte mit scheinbar komfortabler 3:0 Führung verlieren die Blau-Weißen in der zweiten Halbzeit nach Verletzungspause komplett den Faden und können am Ende noch froh sein über ein 3:3 Unentschieden.

Kräftig schütteln und Reaktion zeigen war angesagt. Die sollte eindrucksvoll gelingen. Beim Auswärtsspiel gegen den befreundeten FSV aus Beilrode spielen die Kupfer-Männer wie befreit auf, therapieren sich selbst und revanchieren sich mit einem deutlichen 0:3 für die Niederlage im Hinspiel.

Mittlerweile wieder mit Ball am Fuß auf dem Platz anzutreffen Sebastian Hanisch, der die Offensive weiter belebt. Außerdem befinden sich Nico Lippert und Philipp Springer als jeweilige Außenverteidiger in herausragender Form und melden auch in den kommenden Spielen immer wieder gefürchtete gegnerische Stürmer eindrucksvoll ab. Hinzu kommt, dass sich Winterneuzugang Sebastian Körner mittlerweile voll ins Team integriert hat und trotz zarter 17 Jahre eine wichtige Rolle im kupferschen System einnimmt. Nach einem deutlichen Sieg gegen Dommitzsch reisen die Blau-Weißen im Mai zum Derby gegen den ewigen Rivalen aus Mügeln als Favorit an. Dieser Rolle können die Gäste jedoch nicht gerecht werden. Nach frustrierenden 90 Minuten, in denen sich die Hubertusburger irgendwie selbst schlagen, steht ein 1:0 zu Buche und der Blick auf die Tabelle zeigt, dass man sich an der Sachsendorfer Straße nun eher ins Mittelfeld bewegt.

Doch während die Konkurrenten in den kommenden Wochen überraschend Punkte liegen lassen, nimmt der FSV in den folgenden zwei Partien die volle Ausbeute mit. Während der spätere Absteiger aus Laußig ohne Probleme bezwungen wird (5:0) erlebt die Sachsendorfer Straße gegen den SV aus Zwochau eine Achterbahnfahrt der Gefühle und einen Last-Minute Böttger (4:3).

Vor einem Jahr noch für unmöglich gehalten, macht ein anderer dieser Tage sein persönliches Wunder wahr – nach schmerzhaftem Bandscheibenvorfall und anhaltenden Rückenproblemen ist Pascal Weidner tatsächlich wieder zurück auf dem Platz. Der blau-weiße Neuner wirkt spritzig und abschlussstark wie eh und je und ist sofort wieder eine Bereicherung für seine Farben. Drei Spiele haben die Hubertusburger zu diesem Zeitpunkt noch vor der Brust. Erst geht es nach Bad Düben, die eine bockstarke Runde spielen und dann stehen die heimischen Bonusspiele gegen Meister Radefeld und Vizemeister Torgau an. In der Fremde ist für die Kupfer-Mannschaft nichts zu holen, nach Regenschlacht steht eine 1:0 Niederlage zu Buche. Wenig Hoffnung im kommenden Aufeinandertreffen mit dem Aufsteiger vom Rande Leipzigs, zumal an der Sachsendorfer Straße einige Stammspieler ausfallen. Was dann passiert, kann getrost als Sensation abgetan werden. Mitschreiben wird sie Pascal Weidner, der sich mit seinem Tor beim überragenden 4:2 Erfolg endgültig zurückmeldet und eine lange Nacht vor sich haben wird.

Über eine Woche soll der Rausch anhalten. Zum letzten Spieltag gegen die zweitplatzierten Hafenstädter keinesfalls Kater, wieder 4:2, wieder riesige Leistung der Mannschaft, wieder ein unfassbarer Zusammenhalt, nur diesmal eine noch rauschendere Party.

Die Hubertusburger schwingen sich nicht nur zum Altkreismeister auf, sondern landen hinter Radefeld und Torgau eben auch auf einem überragenden dritten Platz in der Nordsachsenliga. Gefeiert wird die eigene Leistung bei einem Mannschaftsausflug nach Meißen. Mit dabei auch unsere Spielgemeinschaftler die ebenfalls allen Grund zur Freude haben und den Aufstieg in die Kreisliga bejubeln dürfen. Beste Voraussetzungen, die die Spieler ihrem Verein für die Feierlichkeiten am letzten Juni Wochenende zum 90-jährigen Jubiläum schaffen. Ein rundum gelungenes Event, verlebt mit einer Menge sportlicher Freunde und noch mehr isotonischen Getränken, krönt eine aus blau-weißer Sicht möglicherweise einmalige Saison 17/18.

Doch die ist damit endgültig vorbei. Der Wermsdorfer Weg aber noch lange nicht zu Ende, die Geschichte der blau-weißen Sensationen bei weitem nicht auserzählt. Die Grundlagen dafür haben sie an der Sachsendorfer Straße in einer kräftezehrenden Vorbereitung zu schaffen. Vor den Hubertusburgern liegt eine Spielzeit, in der man natürlich an vergangenen Erfolgen gemessen werden wird. Dabei sollte jedem bewusst sein, dass sie in Wermsdorf wissen, wo sie her kommen und möglicherweise auch hingehören. Es ist klar, dass viel mehr zusammenkommen musste als zwei Siege gegen übermächtige Gegner, um diesen dritten Platz erreichen zu können. Es wird sicherlich wieder Vereine geben, die vom Namen her eher auf unseren Platz gehören, die spielerisch talentierter und erfahrener sind – wir freuen uns euch weiter ärgern zu können.

Saisonstatistik:

Insgesamt wurden 33 Spieler eingesetzt. Dauerbrenner mit 23 Punktspielen waren Kapitän Benjamin Schönitz und Justus Keller, gefolgt von Benjamin Münch, Denny Beckedahl und Robby Staude mit 22 Einsätzen. Insgesamt schossen die Hubertusburger 53 Tore und hatten in der Differenz mit 16 Treffern ein positives Torverhältnis. 15 Hubertusburger konnten einnetzen. Überragend - Florian Böttger mit 19 Treffern, gefolgt von Sebastian Freiberg (6 Treffer) sowie Denny Beckedahl und Dominic Arendt (je 5).

Denny Beckedahl und Florian Böttger brachten es auf jeweils 11 Torvorlagen gefolgt von Sebastian Hanisch (8) und Justus Keller (8). In der Nordsachsenliga hatten die Hubertusburger den höchsten Zuspruch aller Vereine mit durchschnittlich 97 Zuschauern bei den Heimspielen an der Sachsendorfer Straße.

Spitzenwert in der Hinrunde das Derby gegen den SV Mügeln/Ablaß mit 215 Zuschauern und in der Rückrunde das Abschlussspiel gegen den SC Hartenfels Torgau mit 140 Zuschauern.

Bilder Pauline Kamm, Franka Keller, AK und René Wegner