Bis zur Spielunterbrechung top - dann unerklärlicher Leistungseinbruch der gesammten Mannschaft

FSV Blau-Weiß Wermsdorf - SV FA Doberschütz-Mockrehna 3:3 (3:0) Statistik/Galerie

Am Samstag empfingen die Hubertusburger den SV FA Doberschütz/Mockrehna unter strahlendem Sonnenschein an der Sachsendorfer Straße. Die Gäste stehen ihrerseits tief im Tabellenkeller, präsentierten sich zuletzt allerdings äußerst formstark und reisten dank dem abermaligen Einzug ins Pokalfinale mit ordentlich viel Selbstvertrauen an. Die Mannen von Dierk Kupfer, nach dem Remis gegen Schenkenberg in der vergangenen Woche, wollten ihren Hinspiel Erfolg bestätigen um den Anschluss an die obere Tabellenregion zu halten. Dabei gelang den Blau-Weißen ein echter Blitzstart. Nach nicht einmal 120 gespielten Sekunden staubte Florian Böttger nach Beckedahl Freistoß, Wermsdorfers derzeit wohl gefährlichster Waffe, zur Führung ab. Beflügelt von diesem frühen Tor hielten die Platzbesitzer den Druck auf das gegnerische Tor weiter hoch und erspielten sich weitere Möglichkeiten.

Durch frühes Anlaufen und griffigem Pressing im Zentrum wurden die Doberschützer effektiv am Spielaufbau gehindert und kamen kaum aus der eigenen Hälfte. So war es eben ein abgefangener Ball, nachdem die Hubertusburger schnell umschalteten und bereits nach 10 Minuten auf 2:0 stellten. Sebastian Körner hatte am Sechzehner mit seinem Pass zwar keinen Mitspieler, dafür aber den Gegner gefunden, der den Ball zwischen die eigenen Torstangen abfälschte. Eine ansprechende Leistung der Heimelf in der Anfangsviertelstunde, die sich so auch im Ergebnis zeigte.

Nach dem fast schon furiosen Beginn verloren die Wermsdorfer jedoch etwas den Faden, wodurch nun auch die Gäste immer öfter gefährlich wurden. Bei einem Pfostenschuss Mitte des ersten Durchgangs hatten die Hubertusburger durchaus Glück. Auf der anderen Seite hätten die Blau-Weißen aber auch nachlegen können, gar müssen. Eine ganze Palette von guten Möglichkeiten, unter anderem durch Robby Staudte der im Fünfmeterraum freistehend zweimal knapp verzog, wurde allerdings Vergeben. Vergeben, ein Wort das Sebastian Freiberg nicht kennt wenn es um das Verwandeln von Strafstößen geht. Einen solchen bekamen die Platzbesitzer in der 35. Spielminute zugesprochen, als Staudte im Strafraum nur noch per Foul zu stoppen war.

Freiberg nahm sich der Sache gewohnt souverän an und erhöhte auf ein, möge man meinen, komfortables 3:0 für die Blau-Weißen. Das Fußball seine eigenen Gesetzte hat und spiele mit der Beteiligung von blau-weißen Farben auch bei Vorsprüngen von 4:0 noch nicht entschieden sind, sollte dem geneigten Zuschauer aber spätestens seit dem vergangenem Revierderby zwischen Dortmund und Schalke (das an diesem Wochenende übrigens, welch ein Zufall, wieder ausgespielt wird…) klar sein. In Wermsdorf ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keiner was da kommen sollte, möglicherweise kündigten aber ein paar aufziehende Wolken am Horizont das nahende Unheil an. Für den Moment war allerdings erstmal Halbzeit. Nach einem überzeugenden ersten Durchgang, indem die Hubertusburger phasenweise guten Fußball spielten, sah eigentlich alles nach 3 Punkten aus. Den Eindruck bestätigten die Wermsdorfer auch nach Wiederanpfiff umgehend. Erst scheiterte Böttger an einer Glanzparade des Torwarts, wenige Augenblicke später stand der Pfosten im Weg. In der 49. Minute dann war Sebastian Harnisch, der nach langer Verletzung zu seinem ersten Startelfeinsatz seit August kam, durchgestoßen und konnte im Strafraum nur noch durch eine absolute Risikogrätsche vom Doberschützer Kapitn Zölfl gestoppt werden. Dieser verhinderte damit zwar Schlimmeres für den Spielstand, verletzte sich beim Zusammenprall mit Wermsdorfs Nummer 8 aber auch so schwer an einer Rippe, das es zu einem Notarzteinsatz kommen musste und er umgehend ins Krankenhaus gebracht wurde. An dieser Stelle wünscht Blau-Weiß dem Spieler beste Genesung.

Man stelle sich nun bitte einen dazwischenrufenden Regisseur vor - „Cut“. Denn was sich nun auf dem Sportplatz an der Sachsendorfer Straße abspielte, wirkte wie ein anderer Film, die Szene hatte sich mit Weiterführung der Partie komplett gewandelt. Den Blau-Weißen gelang plötzlich nichts mehr, den Gästen so gut wie Alles. Die Chronologie des folgenden Debakels. Drei Minuten nach der Verletzungsunterbrechung gelingt dem SV Frisch Auf der 3:1 Anschluss Treffer nachdem die komplette Wermsdorfer Elf noch im Tiefschlaf rumirrte. Die Gäste sind nun auf einmal wieder voll da und merkten, dass hier noch was geht. Nichts mehr geht hingegen bei den Hubertusburgern. Diese gewinnen keinen Zweikampf mehr, bringen die Pässe über zwei Meter nicht zum Mitspieler, verzetteln sich im Lamentieren und Vergeigen es tatsächlich fast komplett. Nach 73. Minuten heißt es schließlich 3:3 und damit nicht genug, die Gäste mit weiteren guten Chancen auf den Siegtreffer. Wermsdorf läuft nur noch hinterher, eigene Angriffe Fehlanzeige.

Dieser gesamtmannschaftliche Leistungseinbruch scheint unerklärlich, die Verletzungspause oder Fehlentscheidungen des Schiedsrichters taugen nicht annähernd als Ausreden. Die blau-weiße Lethargie endet erst mit dem nun fast schon herbeigesehnten Schlusspfiff. Man kommt zusammen, blickt in leere Gesichter und rafft sich zusammen. Über der Sachsendorfer Straße hängt ein kollektives Versagensgefühl, nur Durchbrochen vom Jubel aus der Doberschützer Kabine. Es fällt schwer eine abschließende Einschätzung der eigenen Leistung zu finden, wenn die Dargebotene zwischen zwei Halbzeiten so unterschiedlich war, soweit zwischen Hui und Pfui. Es gilt nun in 7 Tagen. Dann warten unsere Beilroder Freunde, die beim Hinspiel an der Sachsendorfer Straße einen starken Auftritt hinlegten.

Schiedsrichter: Dirk Otto

Zuschauer: 81

Wermsdorf: Schönitz, Beckedahl, Lippert, Springer, Freiberg, Körner, Keller, Münch, Hanisch, Böttger, Staude (Arendt)

Justus Keller/Bilder Pauline Kamm