Halbjahresrückblick unserer Ersten von Justus Keller

Zur Jahreswende blickt man an der Sachsendorfer Straße auf eine bewegte, für den eigenen Anspruch durchaus zufriedenstellende Hinrunde zurück. Nach einem so nicht zu erwartend guten Saisonstart wurde die Mannschaft von Dierk Kupfer schnell und heftig von einer regelrechten Verletzungsmisere heimgesucht. Doch die Blau-Weißen stellten sich der Herausforderung, Spieler aus der zweiten Reihe waren zur Stelle und übernahmen Verantwortung. So steht nach 14 Spielen (bereits ein Rückrundenspiel absolviert) eine Bilanz von 22 Punkten bei einer positiven Tordifferenz von 25:24 auf der Wermsdorfer Habenseite, was gleichbedeutend mit einem achtbaren 5. Platz (Tabelle allerdings durch einige ausstehende Nachholspiele der Konkurrenz verzehrt) ist. Die Chronologie des blau-weißen Weges hin zur positiven Mittelmäßigkeit, weg vom Sorgenkind und Abstiegsanwärter.

Am 19. August - Auftakt der neuen Saison. Vorfreude und Spannung, die Luft knisterte spürbar. Die Spielplanmacher servierten gleich einen echten Leckerbissen - zu Gast an der Sachsendorfer Straße die Wackeren aus Dahlen. Wo es wenige Monate zuvor ordentlich gekracht hatte, sollte es also wieder zum Showdown zweier Rivalen kommen. Es sollte abermals ein denkwürdiges Derby werden. Die Zuschauer und alle Beteiligten hatten nach 90 umkämpften Minuten allerlei Gesprächsstoff: Ein 2:2 Unentschieden, mit Schiedsrichterballtreffer auf der einen, gegenwehrlosem Torgeschenk auf der anderen Seite. Das Ganze in Unterzahl mit einer glatt roten- und einer Ampelkarte. Dazu mit Sebastian Hanisch der erste Langzeitverletzte im sich nachfolgend zügig füllenden Hubertusburger Lazarett. Außerdem die voreilige Erkenntnis einiger Zuschauer: “Diese Mannschaft wird es verdammt schwer haben.“ Jene sollten eines Besseren belehrt werden.

Erste Kostprobe: Ein Woche später, Auswärtsspiel in Schenkenberg mit sage und schreibe sechs Startelfumstellungen im Vergleich zur Vorwoche. Die tapfer kämpfenden Gäste aus Wermsdorf schafften gegen den großen Favoriten tatsächlich ein mittelgroßes Wunder. Nach langem 1:0 Rückstand köpft und lupft Florian Böttger seine Mannen mit dem Schlusspfiff zum nicht für möglich gehaltenen 1:2 Auswärtssieg. Dämpfer unter die aufkeimende Euphorie im blau-weißen Lager dann eine herbe 6:0 Pokalklatsche bei Hartenfels Torgau, gleichbedeutend mit dem nahezu obligatorischen Erstrundenaus der Hubertusburger in jenem Wettbewerb. Als weiterer Wermutstropfen fällt Sebastian Freiberg, absoluter Fixpunkt im Kupferschen System, für die nächsten Wochen aus. Ohne ihre Nummer 5 erarbeiten sich die Hubertusburger im September einen Punkt gegen starke Krostitzer und müssen sich abermals in Torgau, diesmal jedoch denkbar knapp, mit 2:1 geschlagen geben. In glänzender Form und bester Torlaune präsentiert sich dieser Tage bereits angesprochener Florian Böttger. Durch die unabsehbar lange Verletzungspause seines eigentlichen Sturmpartners Pascal Weidner und den Ausfall von Sebastian Hanisch offensiv in neuer Rolle, oftmals als Alleinunterhalter unterwegs, zeigt Wermsdorfs Nummer 10 starke Leistungen und zieht seine Mannschaft mit. So steht eben jener Böttger auch am 23. September im Fokus, als die Hubertusburger den SV Mügeln/Ablaß empfangen.

Per Kopf erzielt Böttger den goldenen Treffer dieses Derbys. Ein Sieg nach dem die Blau-Weißen die Lücke zum lange Zeit überlegenen Nachbarn scheinbar und hoffentlich dauerhaft verkürzen, wenn nicht gar schließen können. Das blau-weiße Krankenbett verringert sich hingegen nicht, wird stattdessen um die Akten von Nico Lippert und Holger Siebert ergänzt.

Beide ihrer Passion nach Außenverteidiger, wodurch dort nun ein großes Loch klafft. Das wird in den folgenden Wochen der erst 20-jährige Dominik Weidner gemeinsam mit dem Ur-Wermsdorfer Robby Staude wunderbar schließen. Erstgenannter fehlt im Oktober jedoch erstmal selber noch verletzungsbedingt, wodurch Trainer Kupfer erfinderisch werden muss. Das klappt in Doberschütz noch recht passabel, wo die Systemumstellung mit Philipp Springer als Außenverteidiger und Justus Keller als neuem Flügelspieler zu einem klaren 3:0 Sieg beiträgt.

Im darauffolgenden Spiel zeigen unsere Freunde aus Beilrode den Hubertusburgern allerdings die eigenen Schwächen deutlich auf und schießen die Platzbesitzer mit 2:5 vom eigenen Rasen.

Kräftig geschüttelt findet man mit einem Arbeitssieg in Dommitzsch zurück in die Erfolgsspur. Mittlerweile ist Wermsdorfs Kapitän und Schlussmann Benjamin Schönitz zu soetwas wie einer blau-weißen Lebensversicherung avanciert. Unbeirrt der stetig wechselnden Mannschaftsaufstellung zeigt der Hubertusburger Schlussmann konstant gute bis sehr gute Leistungen. Mit teilweise unfassbaren Reflexen und Flugeinlagen lässt die Wermsdorfer Nummer 1 (in seinem Fall Rückennummer 38) Reihen von gegnerischen Stürmern verzweifeln und rettet so manchen Punkt. Den Oktober schließen die Blau-Weißen auch dank ihres Rückhalts im Tor erfolgreich mit einem verdienten Sieg über Tabellenschlusslicht Elbaue Torgau ab.

Im verregneten November wird in einer hitzigen Partie in Zwochau nur ein Punkt mitgenommen, gegen enorm spielstarke Aufsteiger aus Bad Düben ein Punkt gewonnen. Der nachfolgende Dreier in Laußig rundet die Hubertusburger Bilanz vor dem gefürchteten Gastspiel in Radefeld ab. Dort schlagen sich Dierk Kupfers Schützlinge lange achtbar, haben bei einem klaren 4:0 Sieg der Heimelf dann aber doch kein Wörtchen mitzureden. Das Spieljahr endet schließlich wie es begonnen hat, mit einem Auftritt beim Nachbarn aus Dahlen. Bei frostigen Temperaturen müssen sich die Wermsdorfer letztlich unglücklich mit 1:0 geschlagen geben. So etwas wie der Wermutstropfen auf eine alles in allem gute Hinrunde.

In dieser gilt es  für die Blau-Weißen „dran bleiben“! Es wäre ein großer Fehler sich zu früh und leichtfertig, auf dem Punktepolster gegenüber den Abstiegsrängen auszuruhen. Genügend Mannschaften werden an den verbleibenden 12 Spieltagen daran arbeiten, den Wermsdorfern die aktuelle Tabellenposition streitig zu machen. Wenn sich das Team um die Säulen Schönitz, Beckedahl, Münch und Böttger auch weiterhin als Einheit präsentiert, sollte das Ziel Klassenerhalt nicht gefährdet sein. Mit Ausblick auf eine baldige Entspannung im Krankenlager sollten die Mannen von Dierk Kupfer allemal gewappnet sein. Spannend bleibt, wie die Hubertusburger den Verlust von Außenverteidiger Dominik Weidner (tauscht den Wermsdorfer Wald für ein halbes Jahr gegen die Weiten Kanadas) kompensieren werden und ob einige Spieler in der Rückrunde die nötige Konstanz in ihre Leistungen bringen können. Kapitän und Leistungsträger Benjamin Schönitz ist sich jedenfalls sicher, dass man „mit dem Potenzial der Truppe und dem guten Zusammenhalt im ganzen Verein“ noch den ein oder anderen Gegner „ärgern kann“. In Wermsdorf scheinen sie ihren Weg gefunden zu haben.

Zur Statistik: Insgesamt wurden in den 14 Punktspielen 25 Spieler eingesetzt. Dauerbrenner waren Benjamin Schönitz, Denny Beckedahl und Robby Staude. Benjamin Münch und Justus Keller bringen es auf 13 Einsätze, gefolgt von Maik Eckert, Dominic Arendt und Florian Böttger mit 12 Punktspieleinsätzen. Florian Böttger konnte fünfmal einnetzen, Sebastian Freiberg traf viermal. Die Hubertusburger bedanken sich für die tolle Zuschauerresonanz bei den Heimspielen. Im Durchschnitt 108 Zuschauer - mit dem Spitzenwert von 215 Zuschauern beim Derby gegen die 09er.

Bilder: AK und Pauline Kamm