Schiet Wetter - schiet Spiel - Schiri oje!

SV Zwochau - FSV Blau-Weiß Wermsdorf 2:2 (1:2)

Einige Zuschauer fanden am Sonntag sogar den Weg an die Zwochauer Mühle, wo die Hubertusburger unter nasskaltem Schmuddelwetter zum Duell 4. gegen 5. gastierten. Jene Fußballsüchtigen sollten diskussionswürdige 90 Minuten erleben. Die Gäste gingen die Partie aus einer sicheren Defensive heraus an, versuchten Zwochau nicht ins gefährliche Drittel kommen zu lassen. Der Plan ging in der Anfangsphase hervorragend auf. Die Abwehr um Libero Denny Beckedahl präsentierte sich wohl organisiert und kompakt. Ansonsten tat das durchweichte Geläuf sein Übriges dazu, dass wenig Gefahr aufkam. Bereits nach wenigen Minuten wurde allerdings auch ersichtlich, dass die Wermsdorfer an jenem Tage nicht nur die Rutschbahn namens Fußballplatz und die Zwochauer Elf zum Gegner hatten, sondern ebenfalls Schiedsrichter Marcel Schöne gegen sich. Einige Komplettausfälle des „Unparteiischen“ brachten das blau-weiße Blut früh und berechtigt zum Kochen. So revanchiert sich der Kapitän der Platzbesitzer, der in der Folge noch als ganz fairer Sportsmann glänzen sollte, nach sauberer Abwehraktion per Tätlichkeit an Benjamin Münch. Schöne mit bester Sicht auf das Geschehen lässt zum Entsetzen der Hubertusburger einfach weiterlaufen, verwarnt fast sogar noch Benjamin Münch. Davon angestachelt und allen Widrigkeiten zum Trotz forciert die Kupfer-Elf nun den Weg aufs gegnerische Tor. Anfangs noch durch zweifelhafte Abseitspfiffe oder angebliche Stürmerfouls gestoppt, verbuchen die Gäste bald erste Abschlüsse. In der 27. Spielminute lassen sie gar die Belohnung folgen: Eckball von links, der Ball eiert im Strafraum irgendwie zu Justus Keller, der beim Schussversuch im Dreck landet, den Ball unter gütiger Mithilfe des Zufalls aber noch zu Oliver Jonnek gespitzelt bekommet, welcher kalt wie eine Hundeschnauze zur Führung einschiebt.

Überraschenderweise zählt der Treffer auch. Die Hubertusburger weiter mit Oberwasser, vor allem im Zweikampf äußerst präsent. So auch in der 32. Spielminute - Denny Beckedahl fasst sich ein Herz: Nach klasse Balleroberung in der eignen Hälfte startet der Abwehrchef zum Sololauf, steckt durch auf den ebenfalls aufgerückten Robby Staude der eiskalt bleibt und auf 0:2 stellt. Mit dieser Führung im Rücken setzten die Gäste nun wieder auf die anfängliche defensive Kompaktheit, an welcher sich die Zwochauer auch fortlaufend die Zähne ausbissen. So wäre es also mit zwei Treffern Vorsprung für Blau-Weiß in die Pause gegangen, doch der beste Zwochauer Spieler der ersten Hälfte hatte etwas dagegen. Erst gibt Schiedsrichter Schöne einen Witz-Freistoß und eine noch lächerlichere gelbe Karte für Oliver Jonnek. Die anschließende Standardsituation bleibt glücklicherweise ungefährlich. Wenige Momente später folgt dann die wohl fatalste Fehlentscheidungen des Spiels. Wieder gibt Schöne Freistoß, wofür wird er selber kaum wissen. Diesmal segelt der Ball allerdings gefährlich in den Strafraum, wo Torwart Benjamin Schönitz jedoch zur Stelle ist. Zumindest solange bis er in der Luft vom heranfliegenden Robert Ohlig umgerumpelt wird. Eigentlich klare Sache, Offensivfoul und Freistoß für die Hubertusburger. Doch an der Mühle wurde heute nach Schöne - Regeln gespielt und so zählte der Treffer - alle Proteste halfen nichts. Mit großer Aufregung ging es somit in die Halbzeitpause. Trainer Dierk Kupfer hatte einige Mühe seine Schützlinge zu beruhigen. Das Torgeschenk zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, natürlich moralischer Tiefschlag für die Wermsdorfer und wenig Hoffnung für die Gestaltung der zweiten Hälfte. Auf der anderen Seite Grund zur Freude und Motivationsschub. Dementsprechend engagiert begannen die Platzbesitzer aus Zwochau den zweiten Spielabschnitt. Das Wetter hatte sich dem Niveau des Unparteiischen noch weiter angeglichen, war jetzt nicht nur regnerisch sondern für 3 Uhr nachmittags auch äußerst finster. Die Heimelf nun mit deutlich mehr Ballbesitz, aber weiter ohne die gefährlichen Abschlüsse. Auf der anderen Seite noch weniger Zug zum Tor. Was sich nach einer knappen Stunde dann aber schlagartig änderte.

Florian Böttger bekommt einmal zu viel Platz, zieht drei Gegner auf sich und legt dann zurück auf den mitgelaufenen Justus Keller, dessen Schuss aber zu unplatziert, wird noch geblockt. Und so kam es jetzt wie es kommen musste. Wenn man die Tore vorne nicht macht, dann bekommt man sie eben hinten rein. Am Ende eines starken Konters nickte Christian Neumann zum Ausgleich ein. Beide Teams spielten folgend mit offenem Visier und auf Sieg. Zunächst scheiterte Maik Eckert aus 20 Metern am Querbalken, auf der anderen Seite touchierte das Spielgerät nach Zwochau Konter gerade noch den Außenpfosten. Nach beiden Aluminiumtreffern gibt es nun kaum spielerisches mehr zu berichten, was nicht heißt das Auf und Abseits des Rasens Langeweile oder Ruhe einkehrte. Zunächst machte Zwochaus zweite Torwart auf sich aufmerksam. Weniger durch seine korpulente Erscheinung, viel mehr durch eine gut gefüllte Palette an Beleidigungen gen Wermsdorfer Bank und Akteuren auf dem Rasen. Es bleibt ungeklärt ob der Schiedsrichter und seine Assistenten Ohrenstöpsel trugen, geahndet wurde allerdings nichts. Weiter fraglich bleibt wie die Platzbesitzer nach Fairplaytabelle das fairste Team der Kreisoberliga seien können. So forderte Trainer Enrico Stößel die Missachtung eines sich am Boden vor Schmerzen krümmenden Wermsdorfer Spielers, um daraus Vorteil zu ziehen und somit einfach weiterzuspielen. Vom Fußballspiel gibt es leider weiter nichts zu vermelden, dafür aber einmal mehr von Schiedsrichter Schöne. Freistoß Zwochau, der rutscht dem Schützen mal komplett über den Spann und saust gute 30 Meter am Tor vorbei. Während sich alle Spieler positionieren um den folgenden Abschlag durch Schönitz zu erwarten, drillert die Pfeife plötzlich. Es gibt tatsächlich Eckball für Zwochau, nachdem der Schiedsrichter gesehen haben will, dass der Ball von der Hubertusburger Ein-Mann-Mauer Justus Keller, der nun bekanntlich auch wirklich kein Schrank ist, ins Aus geblockt wurden seien soll. Glücklicherweise bleibt der folgende Standard ohne Folgen. Apropos ohne Folgen, da war ja noch was. Genau, Zwochaus immer noch auf dem Feld stehender Kapitän. Doch der Reihe nach: Es ist die 90. Spielminute. Justus Keller wird auf außen angespielt, hat viel Platz auf außen, die große Chance zum Konter für Blau-Weiß. Doch von der Seite senst Zwochaues Kapitän Troitzsch heran, mit offener Sohle und ohne Rücksicht auf Verlust rauscht der Anführer der fairsten Mannschaft der Liga Wermsdorfs Nummer 15 einfach um. Ob der danach am Boden liegt ist ihm erstmal egal, egal ist es auch Schiedsrichter Schöne der einfach weiterlaufen lässt. Das Revanchefoul der Hubertusburger lässt natürlich nicht lange auf sich warten und nun pfeift der Parteiische tatsächlich. Danach wird es unübersichtlich, eine Traube aus Spielern und Verantwortlichen stürmt an der Mittelline zusammen. Es treffen fassungslose Hubertusburger auf Zwochauer, die vermutlich auch nicht ganz sicher sind was eigentlich ihr Problem ist. Heftige Wortgefechte und mehr werden ausgetragen, die Atmosphäre kocht. Schöne, seit nunmehr 90 Minuten überfordert, natürlich auch jetzt komplett hilflos krönt seine Leistung nochmal, und wie. Gut 18 Spieler standen im Clinch untereinander, es gibt genau eine gelbe Karte, natürlich für einen Wermsdorfer. Der heißt Florian Böttger, hatte schon gelb und sieht damit die Ampelkarte. Die Blau-Weißen vollkommen außer sich. Darauffolgend die beste Aktion des Marcel Schönes, der einfach abpfeift und den Protesten zum Trotz in der Kabine verschwindet. Auf dem Rasen bleiben fassungslose Mienen und lange Gesichter auf Seiten der Gäste zurück.

Die Punkteteilung ist natürlich verdient und die Gäste können recht stolz sein auf die Leistung an der Mühle. Doch nach diesem Spielverlauf, mit solchen Entscheidungen eigentlich unabhängiger Instanzen, die eine ordentliche Spieldurchführung gewährleisten sollen, bleibt viel Enttäuschung übrig. Der Rest ist draußen Regen und drinnen eine Menge Humor um das Erlebte zu verarbeiten.

Schiedsrichter: Marcel Schöne

Zuschauer: 40

Aufstellung: Schönitz, Beckedahl, D. Weidner, Eckert, Jonnek (Riße), Freiberg, Staude, Münch, Böttger, Keller, Springer

AK/Bilder Dieter Winkler, Bild 3: OAZ vom 9.11.17