„Blau-Weiß will den Fußball-Gott nicht noch einmal belästigen“ titelte die OAZ im vergangenen Sommer. 26 Spiele später steht fest, die Hubertusburger hielten Wort. Der Rückblick auf eine bewegte Saison. Im Sommer 2016 startete für das Team um Trainer Dierk Kupfer die Mission Klassenerhalt. Spieler und Verantwortliche zeigten sich sichtlich motiviert und bereit, die zweite Chance resultierend aus dem Rackwitzer Rückzug zu nutzen. Testspielsiege gegen unter anderem Oschatz und Naundorf, sowie eine knappe Niederlage gegen Frisch-Auf Wurzen machten Mut und schafften Selbstvertrauen. Ein auf dem Papier dankbarer Saisonauftakt gegen die Aufsteiger aus Dommitzsch und Zwochau schien wie gemacht, um mit positiven Erlebnissen in die neue Runde zu starten, Selbstbewusstsein für kommende Aufgaben zu tanken und vor allem auch den in die Startelf drängenden jüngeren Spielern Nervosität zu nehmen.

Die Realität war allerdings eine gänzlich andere. Nach den ersten beiden Spielen standen 0 Punkte, bei einem Torverhältnis von 1:5 zu Buche. Die Talfahrt ging weiter. Chancenloses Ausscheiden im Kreispokal gegen die Zweite von Eilenburg, wenig Chancen auch im Heimspiel gegen Süptitz (0:3) oder auswärts beim SV Doberschütz-Mockrehna (4:2). Das Abstiegsgespenst geisterte jener Tage auf dem Wermsdorfer Sportplatz und in der blau-weißen Seele nicht bloß umher, es war vielmehr ständig präsent. Erinnerungen an die verkorkste Hinrunde der vorherigen Saison wurden früh geweckt. Im Oktober also bereits die Wochen der Wahrheit, es mussten Punkte her, um nicht jetzt schon den Kontakt zum rettenden Ufer zu verlieren aber auch um nicht in eine mentale Krise zu versinken. Es muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass es sportlich gesehen bis hierher nicht allzu viel gab, an dem man sich hätte hochziehen können. Umso mehr kam es nun auf die mannschaftliche Geschlossenheit der Kupfer Schützlinge an. Im Heimspiel gegen Beilrode konnte dank taktischer Disziplin, Kampfgeist und Beckes wiedergefundener Freistoßgefahr der langersehnte erste Dreier verbucht werden.

Nächstes Spiel, nächster Dämpfer für kurz aufkeimende Hoffnung eines Endes der Misere beim Auswärtsspiel in Krostiz. Es folgte die nächste Niederlage gegen den Tabellenführer Radefeld. So vermessen es erscheinen mag, aber aus jener Partie ging die Wermsdorfer Mannschaft dennoch als Sieger vom Platz. Man hatte den spielerisch überlegenen Gast vor große Probleme gestellt, mit hoher Laufbereitschaft geglänzt und dafür viel Selbstvertrauen stiftendes Lob eingefahren. Die Mannschaft schien nach jenem Spiel bereit und gefestigt ihr Leistungspotenzial endlich auf den Platz zu bringen. Siege gegen Glesien und vor allem der Achtungserfolg gegen Eilenburgs Zweite bezeugten diese Einschätzung.

Eine unglückliche Niederlage gegen Schenkenberg setzte es im Jahr 2016 noch, doch die Mannschaft überzeugte auch in diesem Spiel mit bereits aufgeführten Tugenden. Insofern bedauerte man die wetterbedingten Spielabsagen der Derbys gegen Dahlen und Mügeln/Ablaß an der Sachsendorfer Straße sehr. Das Jahr konnte schließlich mit einem Sieg in Strelln versöhnlich abgeschlossen werden und mit der Bilanz von deutlichen Schritten in die richtige Richtung ad acta gelegt werden. Die fußballfreie Zeit auf dem winterlichen Rasen wurde mit dem Hallenkreismeistertitel in einem internen Turnier der Mannschaften aus dem Altkreis Oschatz optimal überbrückt.

Neues Jahr - Neues Glück, musste in Wermsdorf jener Tage also anders als im Vorjahr nicht beschworen werden. Ein gefestigter Platz acht, die Abstiegssorgen vorerst hinten angestellt stattdessen mit voller Vorfreude auf kommende Aufgaben. Was der Beginn der Rückrunde schließlich brachte, konnte so allerdings niemand erwarten. Zunächst korrigierte die Mannschaft um Trainer Kupfer den Fehlstart 2016 mit einem Revanche-Sieg gegen Dommitzsch. Am 11.03 dann das unzweifelbare Highlight der jüngeren Vereinsgeschichte. Derbytime in Wermsdorf, besser gesagt auf dem Oschatzer Kunstrasen, wohin die Hubertusburger im Kräftemessen mit den Obstländern aus Mügeln/Ablaß aufgrund durchgeweichtem heimischen Rasen ausweichen mussten. Die Frage ob dies Glück brächte oder doch wie so oft in der Vergangenheit nur Frust gegen den regionalen Rivalen zu erwarten sei, beantworteten die kommenden 90 Minuten eindeutig. Nach einer konzentrierten und engagierten Leistung, gepickt mit dem nötigen Fortune welches eine solche Partie verlangt, stand ein 4:2 Sieg für Blau-Weiß zu Buche. Die Kupfer Elf hatte es vollbracht und ihrem Verein und seinen Unterstützern den ersten Derbydreier seit einem Vierteljahrhundert geschenkt!

Immer noch euphorisiert von jenem Meilenstein glückte ebenfalls die Wiedergutmachung in Zwochau und nach allen Feierlichkeiten und Glücksgefühlen der letzten Wochen tat nun auch die dann doch deutliche Niederlage in Süptitz der ausgezeichneten Stimmung keinen Abbruch. Zumal der Höhenflug weitergehen sollte. Nächstes Spiel, nächste Revanche, zu Gast dieses Mal Doberschütz-Mockrehna. Es folgte ein Unentschieden in Beilrode und ein mutmaßlich einmaliges Spiel in Dahlen. Schon die Fakten zum Aufeinandertreffen der beiden in der Jugend zusammenarbeitenden Vereine wirken anmaßend. Fünf Tore, zwei Platzverweise, zwei Elfmeter und Flut an gelben Karten.

Der Versuch einer objektiven Aufarbeitung drei Monate später und einziger, weil notwendig, detailliert vorgetragener Spielbericht dieses Rückblicks. Nach einer starken ersten Hälfte führt Wermsdorf zur Pause mit 2:0. Randnotiz: hitziger Beginn beider Teams mit jeweiligem entschiedenem bis überhartem Einsteigen. Die Wackeren kommen besser aus der Pause und werden ihrem Namen gerecht, verkürzen nicht unverdient auf 1:2. Durch einen unstrittigen Handelfmeter verbunden mit roter Karte kann Blau-Weiß den alten Abstand wieder herstellen. Doch von wegen Vorentscheidung. Die Heideländer kämpfen sich in Unterzahl zurück auf 3:2 und verlieren einen weiteren Mann durch die Ampelkarte. Das Spiel neigt sich seinem Ende und hat mit Fußball nicht mehr allzu viel gemein. Lamentierende Verantwortliche, übermotivierte Fans und hitzköpfige Spieler sorgen für Verbitterung in beiden Lagern und ziehen bedauerlicherweise bleibende Gräben zwischen beiden Lagern. Auf dem Platz überschlagen sich die Ereignisse weiter. So erzwingen die Platzbesitzer mit großer Leidenschaft in der Nachspielzeit einen Elfmeter. Der Gefoulte übernimmt Verantwortung und tritt selbst an, doch Benjamin Schönitz, die Nummer 38 im Gästetor kann parieren, alles Weitere ist blau-weiße Ekstase. Gleichbedeutend damit aber allerdings eben auch, angespannte Stimmung zwischen Blau und Rot. Fest steht allerdings, dass sich Wermsdorf dank diesem Dreier nun nicht mehr um den Abstieg spielt sondern an die Pforte zu den Top-5 anklopft. Es bleibt allerdings bei diesem kurzen "Hallo". Zunächst zwar noch weiter siegreich zu Hause gegen Krostitz, scheinen die Wermsdorfer nun zu früh satt zu werden.

Was sich mit der wenig überzeugenden zweite. Hälfte in Dahlen ankündigte, bestätigt sich nun. Wenig berauschende Misserfolge gegen Radefeld und Eilenburg und ein Pflichtsieg gegen Glesien lassen den Verfall in alte, negative Muster erkennen. Es folgt das Rückspiel gegen Wacker. Die Dahlener nehmen mit 1:0 Revanche. Abseits des Feldes herrscht nach jenem Spiel Eiszeit zwischen den geografischen und tabellarischen Nachbarn. Einerseits durch Fehlverhalten abseits und auf dem Rasen aber vor allem durch eine wenig seriöse Aussage in den sozialen Netzwerken, worüber sich die Heideländer zurecht empört zeigen. An dieser Stelle möchte der Verein Blau-Weiß Wermsdorf nochmals die Gelegenheit nutzen und sein Bedauern darüber ausdrücken und um Verzeihung bitten. Die zwei Spiele haben das vorher stabile und von der Basis in langjähriger Zusammenarbeit gestiftete vertrauensvolle Verhältnis beider Seiten merklich belastet, doch vor allem mit Blick auf Nachhaltigkeit und Gutartigkeit der erfolgreichen Zusammenarbeit in der Jugend sollte allen Beteiligten klar sein, das ein weiterer Konflikt nicht zielführend ist und daher beigelegt werden sollte. Sportlich erhellt sich das Hubertusburger Bild mit einem Punktgewinn in Schenkenberg und Sieg gegen Strelln wieder. Das letzte Heimspiel der Saison sollte zudem die Bühne für den Abgang einer Wermsdorfer Legende darstellen. Nach sieben Jahren, in denen er Alles für seinen Verein gegeben hat und so manche Punkte festhielt, verabschiedet sich Robert Rinke, immer fairer Sportmann und ein Vorbild, und übergibt die Kapitänsbinde symbolisch an Nachfolger Benjamin Schönitz.

Die melancholische Stimmung an der Sachsendorfer Straße wird zudem zerrüttelt durch die Nachricht der schweren Verletzung ihrer Nummer 9, Torjäger Pascal Weidner der bedauerlicherweise auf unbestimmte Zeit ausfallen wird und in der kommenden Saison eine große Lücke im Sturmzentrum reißen wird. Die entscheidende Konzentration war somit raus im letzten Spiel der Saison. Den Derbysieg holten sich damit wieder die Mügelner, was letztlich aber zu verscherzen sein wird.

Für die Hubertusburger bleibt es eine unvergessliche Saison. Gestartet mit frustrierenden Ergebnissen, wuchs die Mannschaft an den Niederlagen und startete eine einmalige Serie mit bleibenden Eindrücken und Erfahrungen. Die Saison hat uns gezeigt, was es heißt, ein Team auf und neben dem Feld zu sein und einmal mehr, dass wir eine Verantwortung gegenüber unserem Verein haben, die wir durch Achtung des Fairplays auf dem Platz ausüben und uns dieser in jedem Spiel - ob aktiv auf dem Feld oder abseits des Rasens - bewusst sein sollten. Doch genug der Moral. Die Spielzeit 2016/17 schließt Wermsdorf mit dem Erreichen des achten Platzes ab, bestes Ergebnis in der Nordsachsenliga und die Bestätigung - Chance genutzt und den Fußballgott weitestgehend in Ruhe gelassen.

Justus Keller/Bilder AK