Revanche geglückt – Meistertaktik entschlüsselt

Luppa/Dahlen/Wermsdorf – Naundorf/Zschepplin 6:4 n. E. (0:0; 2:2; 2:2)

Mit der Rekordkulisse des Meisterschaftsspiels vor vier Tagen in Naundorf konnte die Zuschauerzahl im Kreispokalfinale nicht ganz mithalten. Dennoch fanden etwa 80 begeisterte Fans den Weg ins Dahlener Heidestadion, um ihre Teams zum Pott zu peitschen. Die Favoritenrolle lag klar beim Kreismeister, der seinem Finalgegner eine mehr als deutliche Lektion erteilt hatte. Ganze acht Treffer, überwiegend durch Tore des Naundorfer Goalgetters Steven Thierbach erzielt, hatte die Elf von Trainergespann Belitz/Lucanus hinnehmen müssen. Alle waren gespannt, ob in der Neuauflage des Matches eine wirkungsvolle Taktik gegen diese Art des Konterfußballs gefunden werden konnte. Und tatsächlich: Trainer Ronny Belitz erfand den Libero neu und beorderte Lukas Däbritz als Abräumer hinter die Defensivabteilung. Dieses Mittel wirkte und ließ den Gästen kaum Räume zur Entfaltung. Allerdings hatte man den Eindruck, dass der Favorit zunächst abwartete, da sich dessen Spieler überwiegend passiv verhielten und die Gastgeber kommen ließen. Deren Offensive machte diesmal einen besseren Eindruck als am Sonntag und versuchte, die Naundorfer mit deren eigenen Waffen zu schlagen.

Aus dem Mittelfeld, wo Antreiber Johannes Keller wieder an Bord war, wurden lange Bälle in die Spitzen befördert. Eine erste Chance ergab sich nach Pass von Robert Weber auf Florian Däbritz nach drei Minuten, wobei der Naundorfer Keeper Constantin Kämmer vor diesem an den Ball gelangte. Die Grün-Schwarzen blieben auch in der Folge weiter am Drücker und versuchten es mit Distanzschüssen von Keller und Florian Bär, die jedoch wirkungslos blieben. Nach 20 Minuten musste die bislang aufmerksame Defensive der Belitz-Elf einen herben Dämpfer einstecken. Rechtsverteidiger Luca Untermann verletzte sich beim Tackling und musste mit Bänderanriss den Platz verlassen. Die Gäste witterten ihre Chance und suchten weiter ihre Lebensversicherung Steven Thierbach. Entsprechende Konterversuche und Freistöße fanden allerdings spätestens bei Libero Däbritz ihr Ende. Auf der Gegenseite bekam dagegen Kämmer Arbeit. In der 23. Minute flankte Florian Däbritz auf den Kopf von Robert Weber, dessen Ball sich der Keeper sicherte. Drei Minuten später erreichte eine Weber-Hereingabe den eingewechselten Felix Hammer, der im Strafraum stehend allerdings die Kugel nicht richtig unter Kontrolle brachte. Auch ein druckvoller Schuss von Keller (29.) fand in Kämmer sein Ziel. Wenig später zeigten sich erstmals auch die Gäste mit einer Tormöglichkeit, als Thierbach sich auf der rechten Außenbahn durchgesetzt hatte, alle auf eine Flanke warteten, er aber mit einem Torschuss überraschte. Zum Glück für Hüter Adrian Lucanus ging dieser jedoch an den Pfosten. Daraus ergab sich ein Gastgeber-Konter, infolge dessen Keller seinen Teamkollegen Hammer schickte. Die Vorlage erwies sich allerdings für diesen zu steil, um zum Torschuss zu kommen. Auch ein weiterer Schuss von Weber kurze Zeit später konnte Kämmer zur Ecke lenken.

Die aber wohl größte Möglichkeit vor der Pause hatte der freigelaufene Hammer, der eine Flanke auf den langen Pfosten mit dem Fuß über Kämmer´s Kasten löffelte, anstatt den Kopf zu nehmen. Nach Wiederanpfiff von Schiedsrichter Enrico Pfütze, der gemeinsam mit seinen Assistenten eine souveräne Leistung ablieferte, machten die Platzbesitzer da weiter, wo sie aufgehört hatten. Die Initiative nicht aus der Hand gebend erarbeiteten sie sich Chance um Chance, lediglich die Belohnung für diesen immensen Aufwand vergaßen sie, sich abzuholen. Bei einem Weber-Schuss musste sich der nach der Pause eingewechselte Gäste-Torwart Paul Rühl lang machen, um Schlimmeres zu verhüten. Der folgende Eckball erreichte den einschussbereiten Florian Däbritz. Aber auch er vergab diese Möglichkeit. Die ersten Zuschauer unkten bereits, dass bei so viel vergebenen Torchancen ein böses Erwachen folgen könnte. Tatsächlich verschaffte sich Naundorf Luft durch einen Konter über – na, wen wohl? – Richtig ! – Steven Thierbach. Lucanus zeigte sich hierbei jedoch einmal mehr als starker Rückhalt seines Teams und vereitelte diese Gelegenheit. Der bisher offensiv wenig aufgefallene Favorit hatte offensichtlich daraus Blut geleckt und kam nach einem Lattenknaller von Lukas Däbritz auf der Gegenseite zu weiteren Szenen. Zunächst musste Lucanus auf der Linie retten. Wenig später war er jedoch gegen den allein vor ihm auftauchenden Thierbach machtlos. Den Spielverlauf damit auf den Kopf stellend gingen die Gelb-Schwarzen in Führung. Die Gastgeber steckten jedoch nicht auf und versuchten den Ausgleich zu erzielen. Ein Massner-Freistoß knallte zunächst an die Querlatte. In Folge der noch nicht bereinigten Situation gelangte das Spielgerät an die Hand eines Naundorfer Verteidigers und Schiedsrichter Pfütze zeigte auf den Punkt. Robert Weber fackelte nicht lange und verwandelte eiskalt zum umjubelten und hoch verdienten Ausgleich. Dies beflügelte die Belitz-Schützlinge. An einen Weber-Freistoß in der 63. Minute in den Winkel kam Rühl gerade noch so ran. In der folgenden Situation war er jedoch machtlos. Ein weiterer Massner-Freistoß von der Mittellinie brachte die Naundorfer Defensive in Bedrängnis. Sie zögerte zu lange, den Ball herauszuschlagen. Florian Bär schaltete schneller und krachte das Leder in die Maschen. Fünf Minuten waren noch zu spielen und nun wandelte sich das Bild: Naundorf versuchte zu kombinieren und der Gastgeber konterte. Daraus ergab sich ein weiterer Versuch Weber´s. In der Schlussminute jubelten aber nochmals die Gäste, die den Ausgleich durch Thierbach erzwangen. In der Verlängerung waren beide Teams überwiegend auf Fehlervermeidung bedacht. Leichte Chancenvorteile lagen bei den Platzbesitzern, die aber auch wie die Naundorfer nichts Zwingendes zu Stande brachten. Stattdessen stieg die Fieberkurve auf Rasen und Trainerbänken an. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit wären die Bemühungen der Schwarz-Grünen fast zur Makulatur geraten, hatten die Gäste doch noch eine Großchance auf dem Fuß, die von Lucanus jedoch entschärft werden konnte.

Nun ging es in die Lotterie. Bei den Gastgebern zog sich der bereits in der Hallensaison bewährte „Elfmeter-Töter“ Florian Däbritz das Torwartdress an. Sein Team begann und ging mit Treffern von Bär, Keller und Bönisch in Führung. Die beiden Naundorfer Schützen scheiterten jeweils an Däbritz, Aaron Neubert verwandelte. Mit dem Vorteil im Rücken schritt Freistoßspezialist Ben Massner zum Punkt und nagelte das Leder an die Querlatte. Nachdem Paul Hannatzsch getroffen hatte, oblag es dem letzten Schützen der Belitz-Elf, den Sack zu zumachen. Robert Weber lief an und blieb nochmals Sieger gegen Kämmer. Der Jubel fand nun keine Grenzen und entlud sich im Körperknäul auf dem Siegtorschützen. Dem Spielverlauf nach hoch verdient sicherten sich die Gastgeber die Trophäe und nahmen wenig später freudestrahlend die Auszeichnung durch Verbandsvertreter Falk Zschäbitz entgegen. Damit findet die überaus erfolgreiche Saison dieses Teams einen würdigen Abschluss und schafft die Voraussetzung für eine entspannte Grillfeier am kommenden Dienstag nach dem letzten Training.

Aufstellung: Lucanus, Untermann (Grätz, Hammer), Massner, L. Däbritz, Kittelmann, Bönisch, Keller, F. Däbritz, Geppert, Bär, Weber (Krzywinski)

FH