Dramatik pur im Derby

FSV Wacker Dahlen - FSV Blau-Weiß Wermsdorf 2:3 (0:2)

Ein Derby beim frischgebackenen Kreispokalfinalisten am Ostermontag, dazu entgegen aller Wettervorhersagen Sonnenschein – diese perfekten Voraussetzungen nutzten 130 Zuschauer, um ins Heidestadion zu pilgern. Diese für Kreisoberligaverhältnisse durchaus stattliche Zuschauerkulisse wurde mit dem Genuss eines rassigen, emotionsgeladenen Matches mit einem Happy End für die Blau-Weißen belohnt. Emotionen können aber auch schmerzen. Schiedsrichter Eggert wurde aus beiden Coachingzonen wahlweise heftig kritisiert. Wenn man die Entscheidungen nicht durch die Rot-Weißen oder Blau-Weißen Brillen betrachtet, so ahndete der Schiri nur konsequent das überharte Einsteigen auf beiden Seiten. 11 Gelbe Karten im Spielverlauf etwa gleichmäßig verteilt waren die Folge. Doch der Reihe nach: Gästetrainer Kupfer konnte nach vergangenen diversen Personalsorgen endlich auf einen fast kompletten Kader zurückgreifen.

Die Wacker-Elf war durch den gründonnerstäglichen Pokalfinaleinzug (Glückwunsch an dieser Stelle) zusätzlich motiviert. Insofern gab es also beste Voraussetzungen für eine Begegnung auf Augenhöhe. Mit Anpfiff prasselte ein fünfminütiger Regenschauer auf beide Mannschaften nieder. Diese Wetterkapriole nutzten die Gastgeber für einen druckvollen Beginn, allerdings ohne sich klare Torchancen herauszuspielen. Als die Sonne wieder herauskam, änderte sich die Szenerie schlagartig. Die Gäste wurden nun spielbestimmender und Dahlen blieb bis zur Pause fast ohne Torgefahr.

Nach sieben Minuten erreichte ein langer Ball von Denny Beckedahl den schnellen Pascal Weidner. Wacker-Torhüter Chris Föllner blieb ohne Klärungserfolg und Weidner verwandelte aus spitzem Winkel eiskalt zur frühen Führung.

Minuten später folgte die nächste Gelegenheit abermals durch Weidner, der einen Ball von Benjamin Münch durchgesteckt bekam. Föllner blieb diesmal jedoch auf dem Posten. Gegen Münch´s straffen Schuss ins Eck, nachdem dieser in der 17. Minute einen Pass von Florian Böttger erhielt und sich gegen einen Dahlener Verteidiger durchsetzen konnte, war der Keeper jedoch machtlos.

Die durch die unerwartete klare Führung motivierten Gäste blieben am Drücker und kamen zu weiteren Möglichkeiten durch Sebastian Freiberg (20.), Justus Keller (44.) sowie den unermüdlichen und mit viel Platz ausgestatteten Weidner. Die einzige Möglichkeit der Gastgeber vor dem Pausentee durch Kai Fischer per Kopf lenkte der aufmerksame Wermsdorfer Keeper Benjamin Schönitz über die Querlatte seines Kastens.

Nach Wiederanpfiff hatten die Wackeren mehr vom Spiel. Die gut gestaffelte Hubertusburger Hintermannschaft ließ allerdings zunächst wenig zu. Mit der Einwechslung von Christian Seidel stieg die Torgefahr der Gastgeber ab der 55. Minute jedoch spürbar an. Seidel gab sein Debüt gleich mit einem Distanzschuss, der knapp neben Schönitz´ Tor vorbeiflog. Die Blau-Weißen, die sich aufs Kontern verlegten, hatten in dieser Phase gleich zweimal die Vorentscheidung auf ihrem Fuß. Zunächst erreichte in der 70. Minute ein schneller Münch-Hanisch-Konter Florian Böttger, welcher verzog. Sekunden später war es abermals Böttger, der nach Pass von Münch im letzten Moment von der Dahlener Defensive geblockt wurde.

Mehr Schussglück hatte dagegen Gastgeberstürmer Steve Nelde in der 75. Minute, der einen schlecht verteidigten Angriff mit dem durch einen leicht abgefälschten Ball erzielten Anschlusstreffer krönen konnte. Dahlen, nun wieder im Spiel, witterte Morgenluft. Das nächste Tor (77.) fiel jedoch auf der anderen Seite: Böttger drang von links in den rot-weißen Strafraum ein, scheiterte zunächst an Föllner, bekam jedoch den Ball wieder vor die Füße und lupfte den Nachschuss gekonnt über den herausgelaufenen Keeper. Dessen Mitspieler Peter Schmidt rettete mit einer wahren Torwartparade sein Team vor dem Gegentreffer. Allerdings nahm er dazu die Hand, so dass Schiedsrichter Eggert nichts anderes übrig blieb, als ihm den roten Karton zu zeigen. Den fälligen Elfer übernahm Torschütze vom Dienst Freiberg, der sicher zum 1:3 verwandeln konnte.

Wacker hatte nun nichts mehr zu verlieren und warf alles nach vorne. Dadurch ergaben sich für die Gäste Räume zum Kontern, die jedoch zu ungenau vollendet wurden. Die in Unterzahl befindlichen Gastgeber wurden für ihren Mut in der 82. Minute belohnt, als Stephan Winkler mit einem Kopfball zum erneuten Anschluss traf. Die Spannung sollte sich allerdings noch weiter zuspitzen. In den verbliebenen Minuten ließen sich die Hubertusburger zu sehr in die eigene Hälfte drängen und reagierten nur noch.

Die Platzbesitzer glänzten mit zwei guten Chancen und Schönitz rückte in den Brennpunkt. Nach einem weiteren Platzverweis in der 88. (Gelb-Rot für Fischer nach Foul im Gäste-Strafraum/muss man nicht geben) weiter dezimiert, starteten die Überschär-Schützlinge nun die Schlussoffensive. Eggert zeigte zwei Nachspielminuten an, die von den Rot-Weißen zu zwei Eckbällen genutzt wurden. Föllner ging mit nach vorn. Und dann geschah es: Voller Entsetzen nahm der blau-weiße Anhang einen Pfiff war. Schiri Eggert hatte tatsächlich im Strafraumgewühl ein Foul von Freiberg an Föllner gesehen und zeigte auf den Punkt. Die Anhänger der Heimmannschaft waren voller Vorfreude, die Wermsdorfer Fans geschockt. Zunächst war unklar, wer die Verantwortung übernehmen sollte, dann lief Föllner an. Sein scharfer Schuss knallte an die Lattenunterkante.

Schönitz machte sich lang und länger – und kam mit den Fingerspitzen noch an das Geschoss. Das Leder prallte von der Lattenunterkante ab und flog an Schönitz´ Rücken – und trudelte von da neben den Pfosten. Sekundenbruchteile versagte allen der Atem, dann brandete blau-weißer Jubel auf. Aber das Spiel war noch nicht vorbei. Gefühlte sieben Minuten ließ Eggert noch nachspielen, ein weiterer Dahlener Eckball konnte geklärt werden – und dann war Schluss – Jubel – Trauer, eben alles was zum Derby dazu gehört.

Ein packendes Duell mit einem dramatischen Showdown entscheiden die Hubertusburger für sich und setzen ihre fast schon unheimliche Erfolgsserie fort. Platz sechs in der Nordsachsenliga bedeutet die bislang beste Platzierung der jüngeren Vereinsgeschichte. Chapeau und weiter so!

Schiedsrichter: Rene Eggert

Zuschauer: 130

Aufstellung: Schönitz, Beckedahl, Lippert, Siebert , Freiberg, Münch, Keller, Böttger (Riße), Springer, Hanisch, P. Weidner

FH/Bilder AK

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